New York queer: Die Christopher Street und das Stonewall Inn

Christopher Street in New York City
Eine Regenbogenfahne hängt an einem Haus in der Christopher Street. Die Straße wurde weltweit zum Synonym für die Schwulen- und Lesbenbewegung.

Die Christopher Street in New York ist zum weltweiten Synonym für die Schwulen- und Lesbenbewegung geworden. Entlang der Straße in Manhattan entstand das queere New York und ist noch heute lebendig.

Christopher Street ist weltweit ein Begriff für die LGBTQ-Szene

Die Christopher Street ist eine vergleichsweise kurze Straßen in der Weltmetropole New York. Sie schlängelt sich vom Ufer des Hudson Rivers gerade mal 1km und 8 Häuserblöcke lang durch das Viertel Greenwich Village. Die Bebauung ist in diesem Teil Manhattans eher zurückhaltend, kleiner und bürgerlicher. Riesige Wolkenkratzer oder Prachtbauten sucht man hier vergebens. Trotzdem hat es die Christopher Street zu weltweitem Ruhm geschafft.

In der Christopher Street nahm die organisierte Schwulenbewegung im den 1960er Jahren ihren Anfang. Daran angelernt sind auch die weltweit stattfindenen Umzüge, die zumindest in Deutschland, Österreich und der Schweiz als „Christopher Street Day“ bekannt sind. Hierbei feiern Schwule, Lesben, Heteros, Transgender und alle anderen die wollen, einen frei wählbaren Lebensstil und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Bevor es aber in den USA soweit kommen konnte, stand zunächst ein Konflikt, der in Unruhen und Aufständen in Greenwich Village seinen Höhepunkt nehmen sollte. Im Fokus lag hierbei die Bar Stonwall Inn.

Alles begann mit den Ausschreitungen am Stonewall Inn

In den 1960er Jahren war Homesexualität in den USA zwar nicht illegal, trotzdem sahen sich besonders Schwule Schikanen durch die New Yorker Polizei ausgesetzt. Einschlägige Schwulenbars wurde immer wieder mit Razzien konfrontiert. Probleme bekamen all die Besucher, die keine Ausweispapiere mit sich führten oder in Damenkleidern angetroffen wurden. Dies wurde als die öffentliche Ruhe störendes Verhalten gewertet und konnte – zumindest für ein paar Stunden – den Besuchern den Abend verderben. Das öffentliche Outing, was man vielleicht vermeiden wollte, war somit vorprogrammiert.

Am 28. Juni 1969 waren besonders viele Transvestiten und Drag Queens zu Gast in der beliebten Szenebar „Stonewall Inn“. Nur kurz zuvor hatte die Beerdigung einer Ikone der Schwulenszene stattgefunden. Die Schauspielerin Judy Garland wurde am Vortag in Hartsdale zu Grabe getragen. Internationale Berühmtheit erlangte sie durch ihre Rolle im Film „Der Zauberer von Oz“. Viele Menschen wollten den Abend nutzen, um gemeinsam den Verlust zu betrauern und das Leben zu feiern.

Stonewall Inn New York City
Die Bar „Stonewall Inn“ gehört zu den bekanntesten Schwulenbars in ganz New York.

Dies blieb natürlich auch nicht der New Yorker Polizei verborgen und man mobilisierte an diesem Abend eine der größten Razzien, die der Stadtteil bisher gesehen hatte. Doch diesmal lief es nicht so glatt, wie man es gewohnt war. Statt die Schikanen der Polizei über sich ergehen zu lassen, formierte sich Widerstand gegen die willkürlichen Kontrollen. Die ganze Aktion eskalierte und die Ausschreitungen hielten mehrere Tage an.

Was in der Christopher Street begann, veränderte schon bald das ganze Land

Diese Aufstände waren der Beginn einer neuen Zeit: Wenige Tage später fand der erste „Gay March“ vom angrenzenden Washington Square zum Stonewall statt. Nur ein Jahr später begannen die ersten Gay Pride-Umzüge in New York und anderen Städten. Bis heute ist die Bar und mit ihr das ganze Viertel ein Innbegriff für die Geschichte der Lesben und Schwulenbewegung in den USA und weltweit geblieben.

Die Bar selber gehört mittlerweile zum historisch geschützen Bauwerk und ist nach wie vor in Betrieb. Internationale Stars wie Madonna traten dort auf. Präsident Obama persönlich widmete dem Vergnüngsbetrieb das staatliche Ettikett eines wichtigen Monuments.

Wie präsentiert sich die Christopher Street heute?

Vielleicht nicht mehr ganz von Homosexuellen dominiert, ist die Christopher Street bis heute ein Symbol der gegenseitigen Akzeptanz geblieben. Hier ist Platz für alle Arten der persönlichen Entfaltung. Dies gilt eigentlich für das gesamte Greenwich Village.

Wer die hübsche Straße entlang wandert, wird schnell die hohe Anzahl an Regenbogenfahnen entdecken, die an den Häusern wehen oder in den Schaufenstern der Boutiquen und Bars liegen. Die Christopher Street ist einer dieser ganz besonderer Orte, an denen die Bedeutung New York Citys als Schmelztiegel der Nation sichtbar wird.

Bei einer Reise in den Big Apple gehört diese geschichtsträchtige Straße auf jeden Fall zum Pflichtprogramm – ganz egal ob man queer ist oder straight!

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