Përmet: Slow Food und Thermalquellen in Albanien

Albanien

Përmet in Albanien
Mitten in der Bergen, am Rande der Vjosa: Përmet in Albanien hat ein unwiderstehliches Flair.

Das albanische Përmet gilt als Zentrum des Vjosatals. Die Stadt hat ihre ganz eigene Gemütlichkeit und ist ein guter Ausgangspunkt, um abgelegene Dörfer und die berühmten Thermalquellen von Bënjë zu besuchen.


Verborgen im tiefen Tal zwischen hohen Bergen und direkt am Fluss Vjosa liegt die Kleinstadt Përmet. Mit gerade mal 6.000 Einwohnern spielt sich das Leben hier noch ruhig und beschaulich ab. Ein Besuch in Përmet lohnt sich, wenn auch die meisten hier nur einen Zwischenstopp machen um die warmen Thermalquellen im benachbarten Bënjës zu besuchen.

Das übersichtliche Stadtzentrum wurde erst kürzlich renoviert und wirkt stets aufgeräumt. Die Sauberkeit ihrer Stadt liegt den Bewohnern sehr am Herzen. In den letzten Jahren wurde dies mehrmals mit dem Titel „Die sauberste Stadt in Albanien“ honoriert. Das Leben findet entlang der Hauptstraße statt, die immer in den Abendstunden zur reinen Fußgängerzone umfunktioniert wird.

Stadtzentrum Përmet
Das Stadtzentrum von Përmet präsentiert sich stets aufgeräumt und rausgeputzt.

Hier locken Cafés, Restaurants und am Abend ein großer Rummel für die Kinder. Der ebenfalls hier liegende zentrale Park ist besonders im Frühjahr eine Augenweide. Dann blühen hier unzählige Größen in ihrer ganzen Pracht. Der Titel „Albaniens Stadt der Rosen“ ist daher auch bereits gesichert.

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Gur i Qytetit: Der Stadtfelsen von Përmet

Mitten in Përmet ragt ein einsamer Monolith aus dem Boden. Der Fels mit dem Namen Gur i Qytetit (Stadt-Stein) ist das unumstrittene Wahrzeichen.

Gur i Qytetit
Gur i Qytetit: Der Stadtfelsen von Përmet ist unübersehbar.

Um diesen Felsen ranken sich viele Geschichten, die auch die Namensherkunft des Ortes erklären könnten. Eine davon erzählt von einem Mann, der sich nicht den Osmanen im 18 Jahrhundert ergeben und somit die Stadt in ihre Hände übergeben wollte. Lieber war er bereits sich von diesem Felsen in den Tod zu stürzen. Ein wahrer Held, was sich auch im heutigen Namen Përmet widerspiegelt. Grob übersetzt könnte zumindest „Held“ passen.

Aufstieg zum Gur i Qytetit in Përmet
Über eine alte Metalltreppe gelangt man nach oben und kann die wunderbare Panorama-Aussicht genießen.

Heute führt eine etwas in die Jahre gekommene, aber doch trittfeste Metalltreppe auf der Hinterseite den Felsen hoch, der im Stadtbild so aussieht, als hätte ihn ein Riese dort persönlich abgelegt. Oben vom Gur i Qytetit hat man dann eine wunderbare Aussicht auf das Stadtzentrum von Përmet, die neugestaltete Promenade entlang der tiefblauen Vjosa und die angrenzenden Berge.

Früher gab es im Inneren des Felsens sogar noch ein kleines Café. Besonders in den erdrückend-warmen Sommermonaten ein beliebter Zuflugsort, da man ansonsten zu dieser Jahreszeit kaum Menschen auf der Straße in der prallen Sonne sieht. Heute steht die Höhle aber leider leer und wird mehr und mehr als öffentliche Toilette und für sonstigen Unrat genutzt.

Die Küche von Përmet: Ein Traum für Foodies!

Die Küche in Përmet ist mit Sicherheit was besonderes, was man seit ein paar Jahren auch probiert touristisch ins richtige Licht zu rücken. Mit Hilfe der italienischen NGO CESVI wurde das Label „Slow Food Përmet“ geschaffen.

Die meisten Restaurants und Gasthäuser haben sich mittlerweile wieder dieser traditionellen Küche verschrieben. Es werden typisch albanische und regionale Gerichte angeboten, die auf ganz klassische Weise und weitgehend mit regionalen Produkten gekocht werden. Die Speisekarte bietet viel Fleisch an, kann aber auch mit der Auswahl regionaler Schafs- und Ziegenkäse überzeugen. Während meiner Reise durch Albanien muss ich gestehen, dass ich hier das beste Essen serviert bekommen habe.

Slow Food Përmet
Beim Essen in Përmet zeigt sich das ganze Potential der albanischen Küche.

Ein weiteres typische Produkt in der Region, welches sich auch hervorragend als Mitbringsel eignet ist Gliko. Hierbei handelt es sich um sehr süße eingelegte Früchte, die zum Dessert oder auch gerne in Kombination mit dem landestypischen Schnapps Raki serviert werden. Dieser hochprozentige Obstbrand wird zu jeder Tageszeit in Gesellschaft konsumiert und stammt ebenso aus regionaler Produktion.

Mein persönlicher Tipp: Das Restaurant Familjari nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt. Wirklich alles was wir hier gegessen haben, war traumhaft. Dazu kamem äußerst freundliche und bemühte Eigentümer.

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Entspannen an der Vjosa

Jenseits der bis 2.000m hohen Gipfel des Gebirges Mali i Dhembelit liegt der Fluss Vjosa, einer der letzten wirklich wilden Flüsse Europas. Im warmen Sommer zieht es die Bewohner und Besucher Përmets an seine Ufer, um im eiskalten Wasser etwas Abkühlung zu finden.

Vjosa
Der Fluss Vjosa und die Stadt Përmet sind unabdingbar miteinander verknüpft.

Unweit des Stadtzentrums wurde daher auch ein kleiner „Strand“ angelegt, der aber außer einem breiten Ufer mit kleinen Steinen, rudimentären Umkleidekabinen und zeitweise Straßenhändlern mit gegrillten Maiskolben und Getränken nicht viel weitere Infrastruktur anbietet. Nichts desto trotz lohnt sich ein Aufenthalt hier – sei es um schwimmen zu gehen oder einfach das herrliche Naturpanorama zu erleben.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Përmet

Das eigentliche Stadtzentrum der 6.000-Einwohner-Gemeinde ist überschaubar. Es gibt nur einen kleinen Platz, einen gepflegten Park und eine Hauptstraße, die in den Abendstunden für den Autoverkehr gesperrt ist. Im Zentrum befindet sich das Hotel Përmet, wahrscheinlich das best ausgestatteste Hotel der Stadt mit eigenem Fahrstuhl und Panoramablick. Außerdem wurde vor ein paar Jahren hier ein Hostel (Funky Guest House) eröffnet, in dem man auch Raftingtouren über die Vjosa und Reitausflüge durch die Umgebung buchen kann. Des Weiteren spielt sich das öffentliche Leben hier viel in den ansässigen Restaurants und Cafès ab.

Partisanendenkmal
Partisanendenkmal im Zentrum von Përmet

Am kleinen Marktplatz befindet sich das auffällige Partisanendenkmal. Eines der größten Ereignisse im sozialistischen Albaniens war nämlich die Gründung der 6. Partisanenbrigade unter der Führung von Enver Hoxhas. In den Endtagen des zweiten Weltkriegs tagte in Përmet der 1. Antifaschistische Kongress um über die nationale Befreiung des Landes zu debattieren. Diese Übergangsregierung leitete anschließend zur kommunistischen Herrschaft, die bis in die 1990er Jahre anhielt, in Albanien über.

Orthodoxe provisorische Kirche
Ziemlich versteckt: Der Eingang zur provisorischen orthodoxen Kirche in Përmet

Ein weiteres, etwas bizarres, Gebäude ist im ehemaligen Kulturhaus der Stadt zu entdecken. Dieses Gebäude wurde – wie zu vieles in Përmet – von deutschen und italienischen Truppen im 2. Weltkrieg weitgehend niedergebrannt und zerstört.

Im Erdgeschoss befindet sich aber unscheinbar eine orthodoxe Kirche.  Nachdem 1962 das Kulturhaus neu aufgebaut wurde, bis heute nicht wirklich genutzt wird und stark verfallen ist, forderte die Orthodoxe Kirche eine Rückgabe des Geländes. Dazu kam es, trotz vieler Gerichtsprozesse zwar nicht, aber zumindest ein kleiner Teil des Gebäudes wurde ihr zugesprochen. Daher befindet sich die Kirche heute hinter einem Provisorium aus Pappwänden und nur über einen Trampelpfad erreichbar in der unteren Etage des Gebäudes.

Abendstimmung
Abendstimmung im Park von Përmet: Besonders in den heißen Sommermonaten beginnt das Leben hier erst am kühleren Abend.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Die Umgebung von Përmet lockt mit weiteren sehenswerten Orten und bietet sich daher ideal für einen Zwischenstopp oder Ausgangspunkt für Tagestouren an.

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Thermalquelle in Bënjë

Thermalquelle von Bënjë / Albanien
Entspannung „with a view“: Die Thermalbecken in Bënjë locken das ganze Jahr Touristen wie Einheimische gleichermaßen an.

Etwa eine halbe Stunde Autofahrt von Përmet entfernt, befinden sich die Thermalquellen des Dorfes Bënjë. Der Schotterparkplatz ist mit dem normalen Auto einfach zu erreichen. Unterhalb der malerischen Steinbogenbrücke Ura e Katiut aus osmanischen Zeiten befinden sich mehrere Becken mit mal mehr, mal weniger warmen Wasser.

Die heilende Kraft ist aber wissenschaftlich belegt. Tief aus dem Felsinneren und mit 8-40 Litern pro Sekunde, strömt hier das Thermalwasser in die Becken und den Fluss. Überraschenderweise haben die Wasserbecken westlich des Flusses dabei stets eine niedrigere Temperatur als diejenigen die östlich liegen. Zu jeder Jahreszeit kann man hier hervorragend entspannen und den Blick in das wundervolle Panorama genießen. Jedem der vielen Becken wird dabei eine andere therapeutische Wirkung nachgesagt. Manche pflegen die Haut, andere sollen sogar bei Rheuma oder Verdauungsproblemen helfen. Einige Besucher trinken sogar das Wasser, was aber aufgrund des Schwefelgehalts nicht unbedingt ratsam ist.

Ura e katiut
Schon der Zugang zu den großen Thermalbecken über die osmanische Steinbogenbrücke ist abenteuerlich.

Der ganze Ort existiert so schon seit Jahrhunderten und es wurde auch weitgehend nichts verändert. Diese fehlende Infrastruktur führt leider bisweilen zur Vermüllung. Außerdem verrichten aufgrund fehlender Toiletten viele ihre Notdurft in der angrenzenden Vegetation. Doch dies ist nicht der einzige Grund, warum du hier Badeschuhe tragen solltest: Die uralte Steinbrücke kann sehr rutschig werden und ist nicht gesichert. Außerdem sind besonders die Einstiegsbereiche der Thermalbecken veralgt und daher äußerst rutschig.

Inzwischen wurde ein kleines Cafè auf dem Parkplatz eröffnet, wo du zumindest Getränke und Snacks bekommst. In den Hcohzeiten des Tourismus bieten auch viele Straßenhändler Maiskolben und andere Kleinigkeiten hier an.

Die Thermalquellen gehören offiziell übrigens zum kleinen Dorf Benja, welches man nur mit einem Geländewagen oder einer Wanderung erreicht. Der Name beudetet soviel wie „Spa“.

Lengarica-Canyon

Hinter der Katuit-Brücke beginnt der sehenswerte Lengarica-Canyon. Je nach Wasserhöhe suchen Besucher hier den Thrill beim Rafting oder durchwandern ihn einfach in Wasserschuhen. Neben vielen malerischen Aussichten, findest du hier auch viele weitere Naturbecken, die deutlich weniger frequentiert sind. Etliche in den Stein gemeiselte Höhlen zeigen nochmal eindrucksvoll, wie lange dieser Ort schon von der Menschheit bevölkert worden sein muss.

Dorf Leusa

Von Përmet aus lassen sich viele ursprüngliche, kleine Dörfer entlang des Gebirges Mali i Dhembelit erkunden. Mit dem normalen Auto sind sie aber größenteils nicht erreichbar. Hier bedarf es schon eines 4×4 Geländewagens, ausreichender Wanderkondition oder sogar eines Pferdes.

Ein machbares Tagesziel stellt die Wanderung in der kleine Dorf Leusa oberhalb des Stadtrands von Përmet da. Bei dieser 1-stündigen Wanderung erreicht man eine sehr sehenswerte Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Die St. Maria Kirche zählt zum Kulturerbe von Albanien. Wer die äußerst sehenswerten Fresken im Innenraum anschauen möchte, muss zunächst den Schlüssel vom Gemeindevorsteher leihen. Da das Dorf Leusa aber äußerst übersichtlich ist, wird dich etwas nachfragen weiterbringen.

Tekke in Alipostivan

Unweit von Përmet führt eine etwa 10km lange Schotterpiste hinauf in das kleine Dorf Alipostivan. Auf einem dominanten Berggipfel liegt die Tekke von Alipostivan. Eine Tekke ist Zentrum einer muslimischen Sufi-Bruderschaft. In Albanien befinden sich mehrere 100 dieser spirituellen Einrichtungen, die der Wortherkunft nach als Rückzugsort und dem Schutz/Asyl dienen sollen.

Tekke in Alipostivan
Die markanten Gebäude der Tekke von Baba Ali sind schon von weitem zu sehen.

Erstmalig erbaut wurde das sehenswerte Areal mit mehreren weiß-grünen Gebäuden von Baba Ali im Jahr 1857. Nachdem es osmanische Eroberer 1870 und griechische Extremisten 1914 niederbrannten, wurde die Tekke in ihrer heutigen Form neu errichtet. Hier finden zahlreiche Kongresse der kirchlichen Vertreter statt, weshalb sich heute auch ein Hotel auf dem Gelände befindet. Touristen und Besucher können das Gelände auch von Innen erkunden, sowie keine wichtige Veranstaltung stattfindet. Die genaue Öffnungszeiten sollte man vorher besser abklären.

Nationalpark Bredhi i Hotovës

Auch wenn man es bis Alipostivan noch mit dem normalen Auto schafft, geht es in Richtung Norden nur noch mit dem Geländewagen vorran. Dies vorrausgesetzt ist der Nationalpark Bredhi i Hotovës, den man von der anderen Seite kommend auch von den Thermalquellen in Bënjës erreicht, ein lohneswertes Reiseziel.

In dieser naturbelassenen Umgebung aus hohen Bergen und weiten Blicke durchs Tal und den Lengorica-Canyon, leben nur wenige Menschen. Eine sehr schlechte Straße führt ins Dorf Frashër. 1,5 Stunden sollte man aber für die eigentlich nur wenigen Kilometer einplanen.


Wissenswertes für deine Reise nach Përmet

Hast du Lust auf eine Reise nach Përmet bekommen? Diese wichtigen Infos machen deine Erkundung einmalig.

🚗 Wie komme ich am besten nach Përmet?

Der nächstgelegene Flughafen ist in Tirana. Von hier verkehren Busse über Elbasan nach Tepelene. Von dort fährt regelmäßig der Përmet-Express die 45 Minuten ins Stadtzentrum.

Mit dem eigenen Mietwagen brauchst du etwa 4 Stunden vom Flughafen Tirana nach Përmet.

Promenade von Përmet
Përmets Promenade entlang der Vjosa wurde erst vor ein paar Jahren neu gestaltet.

⌛ Wie lange sollte ich in Përmet bleiben?

Viele Albanien-Urlauber legen auf dem Weg zu den Thermalquellen von Bënjës nur einen kurzen Zwischenstopp in Përmet ein. Die Stadt und nähere Umgebung hat aber, wie du siehst, einiges mehr zu bieten. Und auch die Kleinstadt selber versprüht seinen ganz eigenen Charme. Ich würde dir empfehlen 2-3 Tage hier zu bleiben, zumal die Unterkünfte auch nicht teuer sind.

🗺️ Welche weiteren empfehlenswerten Reiseziele gibt es in der Umgebung?

Das richtige Auto vorausgesetzt kannst du von Përmet aus weiter Richtung Osten bis nach Korça reisen. Die Strecke ist landschaftlich äußerst reizvoll, aber nicht immer perfekt ausgebaut und für das ein oder andere Fahrzeug gewiss beschwerlich und äußerst zeitintensiv.

Von Përmet ist es auch nur eine Stunde Autofahrt zum UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Gjirokastra. Wer Lust auf Strand und Meer hat schaffst es dank dem neu geschaffenen Tunnel zwischen Kardhiq und Delvina schnell nach Saranda. Damit spart man sich die früher längere Reise über die Berge und kann die Küste in gut 1,5 Stunden erreichen.


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