Timisoara – Das kleine Wien in Rumänien

Banat/Rumänien

Timisoara ist was für Geschichtsfans: Nicht grundlos wurde die Stadt zur europäischen Kulturhauptstadt 2021 ernannt.

Timisoara in Rumänien hat sich in den letzten Jahren ernorm gewandelt. Geblieben sind jedoch viele der alten Paläste und Kirchen aus dem 18. Jahrhundert, welche der Stadt ihr typisches habsburgerisches Flair geben. Für die Rumänen ist diese Stadt ein Prestigeobjekt. Ein Gefühl, was durch die Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt 2023 nochmal verstärkt wurde.

Die Stadt Timisoara (auf deutsch Temeswar genannt) liegt im Westen Rumäniens, ist die Hauptstadt des Kreises Timis und das kulturelle Zentrum des Banats.

Die historische Region Banat reicht heute über Teile der Staaten Rumänien, Serbien und Ungarn. Mit über 300.000 Einwohnern ist Timisoara die drittgrößte Stadt in Rumänien.

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Wenn man durch die Straßen und über die Plätze Timisoaras schlendert, fühlt man sich schnell nach Österreich versetzt. Das Stadtbild wird maßgeblich von den mehr als 14.000 historischen Gebäuden bestimmt. Oft wird daher Timisoara auch das „kleine Wien“ genannt. Dies kommt nicht zuletzt von den früher dort ansässigen Schwaben und früheren Herrschaft der Habsburger. Auch noch heute leben immerhin mehr als 2 % Deutsche in der Stadt.

Will man Timisoara erleben, muss man auf die Plätze gehen

Das Leben in Timisoara spielt sich auf den großen Plätzen und Parks ab. Dort treffen sich Jung und Alt um zu quatschen, das Essen der vielen Restaurants zu genießen oder in den zahlreichen Kneipen und Bars den Abend zu verbringen. Insgesamt gibt es in der Stadt 11 solcher Plätze. Hervorzuheben sind aber besonders 2 dieser vielen Plätze.

Dom zu Timisoara am Piata Unirii
Der Dom zu Timisoara am Piata Unirii (dt.: Platz der Vereinigung) stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde im Barockstil erbaut.

Der Piata Unirii ist der älteste Platz der Stadt und der alte Festungskern des historischen Timisoaras. Dieser Ort wird auch Domplatz genannt und ist von mehreren Kirchen und Palästen aus dem 18. und 19. Jahrhundert umsäumt. Besonders im Sommer und an Wochenenden, findet man in den zahlreichen Restaurants kaum noch einen Platz auf den großzügig angelegten Außenbereichen. Von hier aus bietet sich die Möglichkeit, das geschäftige Treiben auf dem Piata Unirii zu verfolgen.

Der Piata Victorei ist der Vorzeigeplatz der Stadt. Er wurde in den letzten Jahren kräftig renoviert und verschönert. Dieser breite Boulevard ist die Flaniermeile von Timisoara und verbindet das Nationaltheater und Opernhaus mit der rumänisch-orthodoxen Kathedrale der Heiligen drei Hierarchen. Diese Kirche ist gleichzeitig auch das Wahrzeichen von Timisoara/Temeswar.

In Timisoara startete die rumänische Revolution

Timisoara ist ein wichtiger Ort in der rumänischen Geschichte. Erstmalig ernannt wird die Ortschaft bereits im Jahr 1474. In vielen Wirtschaftszweigen war die Stadt der rumänischer Vorreiter: So entstand hier die erste Tabakfabrik (1718), die erste Straßenbeleuchtung mit Öllampen wurde hier installiert (1760) und sogar die erste Straßenbahn des heutigen Rumäniens fuhr hier (1869).

Zur weltweiter Bekanntheit gelangte Timisoara jedoch im Jahr 1989, als am 16. Dezember die Revolution der Rumänen gegen den Tyrannen und Diktator Nicolae Ceausescu hier ihren Anfang nahm. Damals sollte der regimekritische Pfarrer László Tőkés verschleppt werden. Ein Aufstand der Bürger von Timisoaras gegen das kommunistische Regime führte infolgedessen schließlich dazu, dass Timisoara die erste befreite Stadt Rumäniens wurde und sich von hier aus die Revolution durchs ganze Land verbreitete und bereits im selben Jahr mit der Hinrichtung von Ceausescu und seiner Ehefrau endete.

Die vielen Jahre kommunistischer Misswirtschaft hinterließen Timisoara in einem denkbar schlechten Zustand. In den folgenden Jahren investierte man viel Geld, um die Stadt wieder auf Vordermann zu bringen.  Auf die historischen Gebäude der Habsburger Zeit in neuem Glanz, muss man daher auch heute nicht verzichten.

Die Brauerei Timisoareana ist die älteste in Rumänien. Seit 1718 braut man hier bereits Bier.

Die Bierfabrik „Timisoreana“ gibt es seit dem 18. Jahrhundert

Besonders stolz sind die Timisoareaner auch heute noch auf ihr Bier. Die Brauerei Timisoreana war die erste ihrer Art in ganz Rumänien. Im Jahr 1718 braute man hier das erste Bier. Bis heute wird in dem historischen Gebäude damit fortgefahren. Ende des 19. Jahrhunderts ging der Betrieb als der erste in der Stadt sogar an die nationale Börse.

Unter der kommunistischen Herrschaft war der Betrieb von 1948 bis 1995 verstaatlicht. Zwischen 2007 und 2009 wurden hier rund 50 Millionen Euro in neue Produktions- und Abfüllanlagen investiert, um die Marke Timisoreana wieder zur alten Bekanntheit zu verhelfen. Die Investionen trugen Früchte und daher wurde die Produktionskapazität auf mehr als 2 Millionen Hektorliter fast verdoppelt.

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Timisoara wird von der Bega durchflossen

Die Bega ist quasi der „Hausfluß“ in Timisoara und prägt das Stadtbild. Man findet man viele historische und malerische Brücken in der Stadt. Der Fluss Bega trennt den Altstadtkern vom Fabrik- und Arbeiterviertel der Stadt.

Die Bega grenzt hierbei an einen kostenlosen Familienpark, der mit vielen Spielgelegenheiten für die Kinder aufwarten kann. Familien, aber auch junge Leute und Senioren, besuchen diesen Ort besonders im heißen Sommer gerne, um im Schatten der Bäume oder am Ufer der Bega zu entspannen.

Die Bega fließt durch Timisoara.
Die Bega ist die grüne Lunge von Timisoara. Für viele Bewohner ist sie ein beliebtes Ziel um an ihren Ufern zu entspannen.

Timisoara wird die „Europäische Kulturhauptstadt 2023“ sein

Ursprünglich wollte man den Titel „Europäische Kulturhaupstadt“ bereits im Jahr 2021 tragen. Durch die Corona-Pandemie stellt man aber den Antrag, erst 2023 diese wichtige Auszeichnung zu tragen. Durch den Wegfall von Großbritannien aus der Euroäischen Union war ein Platz frei geworden, da es in diesem Jahr keine britische Kulturhauptstadt geben würde. Den Titel teilt man sich mit der ungarischen Stadt Wesprim/Veszprém.

Für 2023 erwartete man viele weitere Touristen, in der bislang noch nicht sehr bekannten rumänischen Stadt. Die Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt ist für die Einwohner eine gute Botschaft und man ist mächtig stolz auf diese Entscheidung.

Temeswar hatte mit dem Konzept „Lass dein Licht leuchten – erleuchte die Stadt!“ bei einem Expertengremium das Rennen um den Titel gemacht und wurde damit, nach Sibiu, zur zweiten rumänischen Stadt, die bisher mit dieser Auszeichnung bedacht wurde.

Empfohlener Timisoara-Reiseführer

Timișoara: Step by Step
  • Chis, Cristian (Autor)
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2 Kommentare

  1. Viele Fehler in diesem Bericht. Die Temesch ist nie durch Timisoara geflossen und tut es heute auch noch nicht. Es gab auch keine erste elektronische Straßenbahn. Bitte verbessern sie diese Angaben!

    • Hallo Günther

      Das stimmt. Mit den Flüßen ist mir wohl ein Fehler unterlaufen, den ich nun korrigiert habe. Eine elektronische Straßenbahn gab und gibt es natürlich heute auch noch. Das besondere Merkmal ist hier aber, dass es in Timisoara eine der ersten Straßenbahn überhaupt gegeben hat. Ich habe das im Text nochmal deutlicher hrvorgehoben.

      Danke für deine Hnweise!

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