Lithica gehört zu den ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten auf Menorca. In dem ehemaligen Steinbruch bei Ciutadella führen Wege zwischen hohen Felswänden, Gärten und einem großen Steinlabyrinth hindurch. Ein spannendes Ausflugsziel für alle, die neben Stränden auch eine ganz andere Seite der Insel kennenlernen möchten.
Lithica gehört für mich zu den ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten auf Menorca. Der ehemalige Steinbruch liegt nur wenige Kilometer außerhalb von Ciutadella und wirkt auf den ersten Blick fast wie eine künstlich erschaffene Felsenlandschaft. Hohe, schnurgerade Wände ragen aus dem Boden, schmale Wege führen durch tiefe Einschnitte und dazwischen wachsen mediterrane Pflanzen.
Tatsächlich ist diese besondere Landschaft aber nicht am Reißbrett entstanden. Über viele Jahrzehnte wurde hier marès abgebaut, der typische Kalksandstein Menorcas. Wer zuvor durch die Altstadt von Ciutadella gelaufen ist, hat den hellen Stein wahrscheinlich bereits an zahlreichen Häusern, Kirchen und Mauern gesehen.
Viele Urlauber kommen vor allem wegen der Strände und Buchten nach Menorca. Auch wir hatten Lithica zunächst eher als ergänzendes Ausflugsziel auf dem Plan. Umso mehr hat uns der Ort überrascht. Denn der ehemalige Steinbruch ist nicht einfach nur ein stillgelegtes Industriegelände, sondern eine eigenartige Mischung aus Landschaft, Architektur, Garten und Kunstprojekt.
Die Geschichte von Lithica
Der eigentliche Name der Anlage lautet Pedreres de s’Hostal. Die Steinbrüche wurden im 19. Jahrhundert angelegt, um den auf Menorca weitverbreiteten marès-Stein abzubauen.
Marès ist vergleichsweise weich und lässt sich dadurch gut schneiden und bearbeiten. Gleichzeitig ist das Material stabil genug, um daraus Häuser, Kirchen, Stadtmauern und größere Herrenhäuser zu errichten. Besonders in Ciutadella begegnet dir der helle Stein beinahe überall. Viele der typischen Fassaden der Altstadt bestehen aus genau dem Material, das früher in Steinbrüchen wie diesem gewonnen wurde.
Der Abbau erfolgte zunächst überwiegend in Handarbeit. Die Arbeiter schnitten große Steinblöcke direkt aus dem Boden. Dabei entstanden die geraden Wände, Kanten und tiefen Einschnitte, die den Ort heute so außergewöhnlich aussehen lassen. Teilweise wirken die ehemaligen Abbauflächen wie riesige Zimmer ohne Dach. Andere Bereiche erinnern eher an enge Schluchten oder monumentale Bauwerke. Dabei war diese Wirkung ursprünglich überhaupt nicht beabsichtigt, sondern ist lediglich das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit.
Später wurden auch Maschinen eingesetzt, deren Schnitte sich deutlich von den älteren, handwerklich bearbeiteten Bereichen unterscheiden. Mit neuen Baumaterialien und veränderten Bauweisen verlor der Steinbruch jedoch zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 1994 wurde der Abbau schließlich eingestellt.
Wie aus dem Steinbruch ein Kulturprojekt wurde
Nach der Stilllegung war zunächst unklar, was mit dem Gelände geschehen sollte. Zeitweise bestand sogar die Gefahr, dass Teile der alten Steinbrüche als Deponie für Müll oder Bauschutt genutzt werden könnten. Um den Ort zu schützen, wurde die gemeinnützige Organisation Líthica gegründet. Ihr Ziel war es, die Steinbrüche als wichtigen Teil der menorquinischen Geschichte zu bewahren und sie gleichzeitig für Besucher zugänglich zu machen.
Dabei wurde das Gelände glücklicherweise nicht vollständig umgebaut oder künstlich verschönert. Die Spuren des Steinabbaus sind bis heute deutlich sichtbar. Ergänzt wurden vor allem Wege, Gärten und einzelne künstlerische Elemente. Genau das macht für mich den Reiz von Lithica aus. Der Ort fühlt sich weder wie ein klassisches Museum noch wie ein künstlich angelegter Freizeitpark an. Stattdessen bewegt man sich durch eine Landschaft, in der Industriegeschichte, Natur und moderne Gestaltung ineinander übergehen.
Ein Spaziergang zwischen riesigen Steinwänden
Schon kurz nach dem Eingang wird deutlich, wie groß die Steinbrüche tatsächlich sind. Auf Fotos lässt sich das nur schwer vermitteln. Teilweise ragen die Wände fast senkrecht nach oben und bilden riesige, nach oben offene Räume.
Beim Spaziergang durch die Anlage fallen immer wieder die geraden Linien und Schnittkanten auf. Sie zeigen ziemlich deutlich, wie systematisch die Steinblöcke aus dem Boden herausgelöst wurden. An manchen Stellen sieht man noch einzelne Vorsprünge und Bearbeitungsspuren im Gestein.
Besonders beeindruckend fand ich den Wechsel zwischen engen Durchgängen und plötzlich auftauchenden großen Flächen. Hinter einer unscheinbaren Ecke öffnet sich auf einmal ein weiterer Steinbruch, der fast wie ein Innenhof oder eine kleine Arena wirkt.
Auch das Licht verändert den Ort deutlich. Am Morgen oder am späten Nachmittag werfen die hohen Wände lange Schatten. Der helle Stein bekommt dann einen warmen, fast goldenen Farbton. In der Mittagssonne wirkt die Landschaft dagegen karger, heller und deutlich härter. Es ist daher kein Wunder, dass viele Besucher Lithica weniger mit einem klassischen Steinbruch und eher mit monumentaler Architektur oder Landschaftskunst vergleichen.
Das Steinlabyrinth von Lithica
Zu den bekanntesten Bereichen von Lithica gehört das große Steinlabyrinth. Es wurde erst nach der Stilllegung des Steinbruchs angelegt und besteht aus zahlreichen niedrigen Mauern. Das Labyrinth ist nicht besonders kompliziert und vermutlich auch nicht dazu gedacht, Besucher ernsthaft in die Irre zu führen. Vielmehr sorgt es dafür, dass man langsamer durch diesen Teil der Anlage läuft und die Umgebung bewusster wahrnimmt.
Durch das einheitliche Material fügt sich das Labyrinth erstaunlich gut in die übrige Landschaft ein. Es wirkt weder bunt noch verspielt, sondern angenehm schlicht. Besonders aus einer leicht erhöhten Perspektive lassen sich die Wege und Formen gut erkennen. Für Kinder dürfte das Labyrinth einer der spannendsten Bereiche des Steinbruchs sein. Aber auch Erwachsene laufen vermutlich nicht einfach daran vorbei.
Gärten zwischen den Steinbrüchen
Zwischen den ehemaligen Abbauflächen wurden verschiedene Gärten angelegt. Dort wachsen typische mediterrane Pflanzen, Kräuter, Sträucher und kleinere Bäume. Dieser Kontrast aus hellem Stein und grünen Pflanzen verändert die Atmosphäre spürbar. Einige Bereiche wirken sehr karg und beinahe unwirtlich, während andere fast wie kleine, geschützte Oasen aussehen.
Die Gärten zeigen außerdem, dass ein ehemaliger Steinbruch nicht zwangsläufig eine dauerhaft zerstörte Landschaft bleiben muss. Nach dem Ende des Abbaus hat sich die Natur viele Bereiche langsam zurückgeholt. An anderen Stellen wurde gezielt nachgeholfen. Gerade dieser Wechsel zwischen rauen Felswänden, schattigen Wegen und kleinen Grünflächen hat uns bei unserem Rundgang besonders gut gefallen.
Weitere Tipps für den Besuch von Lithica
Wer ausschließlich für Sonne und Strand nach Menorca kommt, wird den Steinbruch vielleicht nicht ganz oben auf seine Liste setzen. Als Ergänzung zu einem Tag in Ciutadella können wir Lithica aber auf jeden Fall empfehlen. Der Besuch dauert nicht den ganzen Tag und zeigt dir eine überraschend andere Seite der Insel.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Lithica ist vor allem für Besucher interessant, die neben den bekannten Stränden auch etwas von der Geschichte und Landschaft Menorcas kennenlernen möchten.
Du solltest allerdings keine klassische Sehenswürdigkeit erwarten, bei der eine Attraktion auf die nächste folgt. Der ehemalige Steinbruch lebt in erster Linie von seiner Atmosphäre, seinen Formen und den besonderen Perspektiven.
Wer gerne fotografiert, ungewöhnliche Orte besucht oder sich für Architektur und Industriegeschichte interessiert, dürfte hier besonders viel entdecken. Auch mit Kindern ist Lithica ein schönes Ziel, vor allem wegen des Labyrinths und der verschlungenen Wege.
Bei eingeschränkter Mobilität können einzelne Bereiche allerdings etwas schwieriger zu erreichen sein. Der Boden ist nicht überall eben und teilweise führen Stufen oder steilere Wege durch die Anlage.
Wie viel Zeit sollte man für Lithica einplanen?

Für einen normalen Rundgang solltest du etwa eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Damit bleibt genug Zeit, um durch die verschiedenen Steinbrüche und Gartenbereiche zu laufen und zwischendurch einige Fotos zu machen.
Wer sehr gerne fotografiert oder sich ausführlicher mit den einzelnen Bereichen beschäftigen möchte, kann problemlos länger bleiben. Der Ort ist größer, als er auf den ersten Blick erscheint.
Wir würden den Besuch nicht zu knapp zwischen zwei andere Programmpunkte schieben. Lithica wirkt am besten, wenn man ohne Zeitdruck durch die Anlage laufen kann.
Die beste Tageszeit für den Besuch
Besonders schön ist Lithica am Vormittag oder am späteren Nachmittag. Dann fällt das Licht schräg in die Steinbrüche und betont die geraden Kanten und Strukturen der Wände.
Im Hochsommer kann es rund um die Mittagszeit dagegen sehr heiß werden. Große Bereiche des Geländes liegen offen in der Sonne und die hellen Steinflächen reflektieren zusätzlich die Wärme.
Einige Wege und tiefere Steinbrüche bieten zwar Schatten, darauf solltest du dich aber nicht verlassen. Vor allem mit kleinen Kindern würde ich die heißesten Stunden des Tages vermeiden.
Eintritt und Parken
Der Eintritt für Erwachsene liegt bei etwa 10 Euro. Die Preise können sich natürlich ändern, daher lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offizielle Webseite. Außerdem solltest du vorab dein Ticket kaufen, da die Besucheranzahl pro Zeitslot auch limitiert ist.
Direkt am Gelände stehen Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Von Ciutadella aus erreichst du Lithica mit dem Auto in wenigen Minuten. Da der Steinbruch etwas außerhalb der Stadt liegt, ist die Anreise mit einem Mietwagen besonders unkompliziert. Je nach Saison gibt es möglicherweise auch andere Verbindungen, mit dem eigenen Fahrzeug bist du aber am flexibelsten.
Was solltest du mitnehmen?
Ausreichend Wasser ist vor allem im Sommer wichtig. Innerhalb der Anlage können die Temperaturen deutlich höher wirken als an der Küste.
Außerdem sind Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung sinnvoll. Anstelle von Sandalen oder sehr offenen Schuhen würde ich feste und bequeme Schuhe empfehlen. Der Untergrund ist teilweise uneben, staubig oder steinig.
Eine Kamera oder zumindest das Smartphone solltest du ebenfalls griffbereit haben. Durch die hohen Wände, die geraden Linien und den Wechsel aus Licht und Schatten ergeben sich ständig neue Fotomotive.

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