Nur wenige Minuten vom hektischen Midtown entfernt liegt ein Ort, den viele New-York-Reisende völlig übersehen: Roosevelt Island. Die schmale Insel im East River ist kein typisches Touristenziel – und gerade das macht sie so besonders. Hier fährt man mit einer roten Seilbahn über den Wolkenkratzerverkehr, spaziert an der Skyline entlang und blickt direkt auf das UN-Hauptquartier. Ein Stück New York, das entschleunigt.
Roosevelt Island ist wie ein kleines Geheimnis mitten in New York. Wer die Stadt einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte – ruhiger, grüner und zugleich mit einem der besten Skyline-Blicke überhaupt –, sollte hier unbedingt herkommen. Die Seilbahnfahrt allein ist ein Erlebnis, das du nicht vergisst.
Geschichte einer Insel mit vielen Gesichtern
Roosevelt Island war lange Zeit ein Ort, an den man nicht freiwillig kam. Im 19. Jahrhundert diente sie als Standort für Krankenhäuser, ein Gefängnis und eine psychiatrische Anstalt – fernab der Stadtgesellschaft. Erst in den 1970er-Jahren begann die Umwandlung in ein modernes Wohn- und Erholungsgebiet.
Heute leben hier rund 12.000 Menschen in ruhiger Nachbarschaft, während Manhattan nur eine Seilbahnfahrt entfernt ist. Die Insel ist nach Franklin D. Roosevelt, dem 32. Präsidenten der Vereinigten Staaten, benannt – ein Symbol für Wandel und soziale Verantwortung, das perfekt zur Geschichte des Ortes passt.
Die Roosevelt Island Tramway – mit der Seilbahn über den East River
Wer das erste Mal mit der Roosevelt Island Tramway fährt, wird den Blick so schnell nicht vergessen. Die ikonische rote Gondel gleitet parallel zur Queensboro Bridge über den East River und verbindet Manhattan (Ecke 59th Street / 2nd Avenue) mit Roosevelt Island.
Der Panoramablick ist spektakulär: Hochhäuser, Brücken, Wasser, die Skyline – und unten die gelben Taxis, die wie Spielzeugautos wirken. Besonders schön ist die Fahrt bei Sonnenuntergang, wenn sich das Licht in den Glasfassaden spiegelt.
Ein Ticket für die Seilbahn kostet das Gleiche wie eine U-Bahn-Fahrt und kann mit der MetroCard oder OMNY bezahlt werden. Die Fahrt dauert knapp vier Minuten, fährt täglich von früh bis spät, und ist damit eine der günstigsten „Aussichtsattraktionen“ New Yorks.
Mein Tipp: Setz dich in Fahrtrichtung rechts, wenn du von Manhattan aus startest – dort ist die Aussicht auf das UN-Hauptquartier und Midtown am besten.
Zwischen Manhattan und Ruhe – das Lebensgefühl auf Roosevelt Island
Es gibt kaum einen Ort in New York, der so ruhig und entschleunigt wirkt. Auf der autofreien Promenade hört man statt Sirenen nur das Rauschen des Flusses und das Klappern der Fahrräder. Viele New Yorker kommen am Wochenende hierher, um zu joggen, zu picknicken oder einfach durchzuatmen.
Auf der Insel gibt es Cafés, kleine Supermärkte und im Sommer sogar Streetfoodstände. Besonders charmant ist das kleine Lokal The Café at Cornell Tech mit Blick auf den East River – perfekt für eine Pause mit Aussicht.
Sehenswürdigkeiten: Was du auf Roosevelt Island sehen solltest
Roosevelt Island ist nur etwa 3 Kilometer lang und perfekt für einen gemütlichen Spaziergang geeignet. Die Wege sind eben, grün gesäumt und bieten auf beiden Seiten spektakuläre Ausblicke – auf Manhattan im Westen und Queens im Osten.
In der interakiven Karte findest du die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zur besseren Orientierung.
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Mehr InformationenFranklin D. Roosevelt Four Freedoms Park
Ganz am südlichen Ende der Insel liegt der beeindruckende Four Freedoms Park, entworfen vom berühmten Architekten Louis I. Kahn. Er ist Roosevelt gewidmet, der in seiner berühmten Rede von den „Vier Freiheiten“ sprach: Redefreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit von Not und Freiheit von Furcht.
Die Anlage ist streng geometrisch, mit breiten Granitstufen, symmetrischen Bäumen und einem offenen Blick über den East River. Am Ende steht eine monumentale Büste des Präsidenten – mit direktem Blick auf das UN-Hauptquartier gegenüber in Manhattan.
Hier ist der Blick einfach spektakulär: Vom Ufer aus siehst du die Skyline, die Queensboro Bridge, das UN-Gebäude und bei klarer Sicht sogar bis zur Brooklyn Bridge. Am besten kommst du kurz vor Sonnenuntergang – das Licht taucht die Szene in sanftes Gold.
Smallpox Hospital Ruins
Nur wenige Schritte nördlich vom Park stehen die Ruinen des Smallpox Hospital, eines der ältesten Krankenhäuser der Stadt. Es wurde 1856 erbaut und diente der Behandlung von Pockenpatienten – damals eine gefürchtete Krankheit.
Das Gebäude im neugotischen Stil ist heute eine der fotogensten Ruinen New Yorks. Besonders bei Dämmerung, wenn es leicht beleuchtet ist, wirkt es fast mystisch. Das Innere ist aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich, aber schon von außen ist die Atmosphäre eindrucksvoll.
Übrigens: Die Ruinen sind denkmalgeschützt und Teil des „Franklin D. Roosevelt Park“-Komplexes.
Southpoint Park
Zwischen dem Smallpox Hospital und dem Four Freedoms Park liegt der Southpoint Park, ein grüner Streifen mit weichen Wiesen, Gehwegen und Sitzbänken direkt am Wasser. Hier treffen sich Spaziergänger, Familien und Fotografen gleichermaßen.
Besonders schön ist der Kontrast: Auf der einen Seite der stille Park, auf der anderen die Glasfassaden des UN-Hauptquartiers und das geschäftige Manhattan. Viele New Yorker kommen hierher, um einfach durchzuatmen – ein Ort der Ruhe mitten in der Stadt.
The Octagon
Weiter nördlich stößt man auf das Octagon Building, ein achteckiger Bau aus grauem Stein – einst Teil des New York City Lunatic Asylum, einer der ältesten psychiatrischen Kliniken der USA. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1839 und ist heute aufwendig restauriert: In den oberen Etagen befinden sich moderne Apartments, im Erdgeschoss eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Hauses.
Der oktogonale Turm mit seiner Kuppel ist ein echter Hingucker und eines der markantesten Gebäude der Insel. Direkt daneben liegt ein kleiner Park mit Blick auf den East River – perfekt für eine kurze Pause.
Lighthouse Park
Am nördlichsten Punkt der Insel steht der Blackwell Island Lighthouse, ein kleiner, 15 Meter hoher Leuchtturm aus dem Jahr 1872. Er wurde aus Granit gebaut und diente ursprünglich als Orientierungspunkt für Schiffe auf dem East River.
Heute ist der Lighthouse Park ein beliebter Ort für Picknicks und Sonnenuntergänge. Von hier aus siehst du die Roosevelt Island Bridge und die weiten Flächen von Queens. In der warmen Jahreszeit trifft man hier viele Einheimische beim Yoga, Grillen oder einfach mit einem Buch auf der Wiese.
Spazierroute-Tipp für deinen Besuch
Wenn du die Insel mit der Seilbahn erreichst, geh einfach Richtung Süden. Folge dem Weg entlang des Wassers, vorbei an modernen Wohnhäusern und dem Cornell Tech Campus. Nach rund 15 Minuten erreichst du den Four Freedoms Park.
Auf dem Rückweg kannst du an den Ruinen des Smallpox Hospital vorbeischlendern, eine Pause im Southpoint Park einlegen und mit der Fähre zurück nach Manhattan fahren – oder noch weiter zum Leuchtturm spazieren, wenn du Zeit hast.
Tipp für einen Stop: Die Mensa des Tata Innovation Centers. Hier gibt es leckeren Kaffee und belegte Sandwiches zu – für New Yorker Verhältnissen – erstaunlich erschwinglichen Preisen.
Für den kompletten Spaziergang über die Insel (hin und zurück) solltest du rund 1,5 bis 2 Stunden einplanen.
So kommst du auf Roosevelt Island
- Mit der Seilbahn: Einstieg an der 59th Street & 2nd Avenue (Manhattan). Fahrtzeit ca. 4 Minuten, MetroCard/OMNY gültig.
- Mit der U-Bahn: Linie F hält direkt auf Roosevelt Island.
- Mit der Fähre: Linie Astoria Route der NYC Ferry legt an der Westseite der Insel an – ebenfalls eine schöne Option mit Aussicht.
Mein Tipp: Nimm die Seilbahn hin und die Fähre zurück – so bekommst du zwei ganz unterschiedliche Perspektiven auf New York.
Beste Zeit für den Besuch
Frühling und Herbst sind ideal: Die Bäume entlang der Uferpromenade färben sich in leuchtenden Tönen, und das Licht auf den Wolkenkratzern ist weicher. Im Sommer lässt sich hier wunderbar picknicken, im Winter bietet sich ein stiller Spaziergang mit traumhaften Blicken auf die verschneite Skyline an.


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