Mitten in den Bergen nahe Taschkent steht eine der verrücktesten Anlagen Usbekistans: ein Sonnenofen, der Metall allein mit Sonnenlicht schmelzen kann. Was wie Science-Fiction klingt, ist ein Relikt der Sowjetzeit – und eine der überraschendsten Sehenswürdigkeiten des Landes.
Der Sonnenofen in Parkent ist einer dieser Orte, von denen man vorher noch nie gehört hat – und die einen dann komplett überraschen. Während die meisten Reisenden wegen Samarkand, Buchara oder Chiwa nach Usbekistan kommen, erwartet dich hier etwas völlig anderes: keine Moscheen, keine Medressen, sondern ein riesiges Forschungsprojekt mitten in den Bergen.
Oft wird die Anlage auch als „Solarschmelze“ bezeichnet, weil hier Sonnenenergie so stark gebündelt wird, dass Materialien tatsächlich geschmolzen werden können. Genau das macht den Ort so besonders – und auch ein bisschen surreal.
Als ich das erste Mal davon gehört habe, klang das fast zu verrückt, um wahr zu sein. Doch genau das ist der Reiz: Der Sonnenofen zeigt eine Seite Usbekistans, die viele gar nicht auf dem Schirm haben. Statt Geschichte geht es hier plötzlich um Technik, Forschung und Ingenieurskunst – und das mitten in einer beeindruckenden Berglandschaft.
Die Geschichte des Sonnenofens von Parkent
Der Sonnenofen wurde in den 1980er-Jahren während der Sowjetzeit gebaut. Damals investierte die UdSSR stark in Forschung und neue Technologien, insbesondere in Bereiche wie Materialwissenschaften, Raumfahrt und alternative Energiequellen.
Die Region rund um Parkent war dafür ideal. Viele Sonnentage im Jahr, klare Luft und eine passende geografische Lage machten es möglich, Sonnenstrahlen gezielt zu bündeln und nutzbar zu machen. So entstand hier eines der größten solarthermischen Forschungszentren der Welt.
Wenn man heute vor der Anlage steht, merkt man schnell: Das war kein kleines Experiment, sondern ein echtes Prestigeprojekt. Und obwohl es Jahrzehnte alt ist, wirkt vieles daran noch erstaunlich modern.
Wie der Sonnenofen funktioniert
Das Herzstück der Anlage ist ein riesiges Feld aus Spiegeln, sogenannte Heliostaten. Diese bewegen sich automatisch mit der Sonne und reflektieren das Licht auf einen zentralen Punkt – einen großen Parabolspiegel. Dort werden die Sonnenstrahlen gebündelt und erzeugen Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius. Das ist heiß genug, um Metalle zu schmelzen oder Materialien extremen Tests auszusetzen. Genau deshalb spricht man bei solchen Anlagen auch von einer Solarschmelze – die Energie der Sonne wird direkt genutzt, um Stoffe in ihren flüssigen Zustand zu bringen, ganz ohne klassische Brennstoffe.
Was das Ganze so beeindruckend macht: Es ist nicht nur Theorie. Man kann sich hier gut vorstellen, wie Metall allein durch Sonnenlicht zum Glühen gebracht wird – fast wie in einem riesigen natürlichen Brennglas. Die Vorstellung, dass gebündelte Sonnenstrahlen stark genug sind, um Material zu verformen oder zu schmelzen, wirkt fast ein bisschen unwirklich.
So ein Sonnenofen ist was seltenes!
Der Sonnenofen in Parkent gehört zu den größten Anlagen seiner Art weltweit. Wirklich vergleichbar ist er eigentlich nur mit dem bekannten Sonnenofen in Odeillo in Südfrankreich, der bereits in den 1960er-Jahren gebaut wurde und bis heute als einer der leistungsstärksten gilt.
Beide Anlagen verfolgen ein ähnliches Prinzip: Spiegel bündeln Sonnenstrahlen, um extreme Temperaturen für wissenschaftliche Experimente zu erzeugen. Während Odeillo oft als „der bekannteste“ Sonnenofen gilt, steht Parkent ihm in Größe und Konzept kaum nach – ist aber deutlich weniger bekannt und wirkt dadurch fast wie ein verstecktes Relikt der Sowjetzeit.
Gerade das macht den Besuch in Usbekistan so besonders: Du stehst hier an einem Ort, der weltweit nur wenige echte Vergleichsmöglichkeiten hat – und der trotzdem kaum auf den typischen Reiserouten auftaucht.
Wie besucht man den Sonnenofen in Parkent?
Der Sonnenofen liegt etwa 50 Kilometer von Taschkent entfernt in den Bergen bei Parkent und ist am einfachsten mit dem Auto erreichbar. Vor Ort musst du zunächst eine kleine Gebühr fürs Parken bezahlen, bevor du überhaupt zum eigentlichen Gelände kommst.
Was mir direkt aufgefallen ist: Kaum angekommen, standen schon mehrere „Guides“ bereit, die einem eine Führung anbieten. Problem dabei – in meinem Fall sprach keiner wirklich Englisch, und trotzdem wurde mir gesagt, dass man das Gelände nicht ohne Guide besichtigen darf. Ich habe mich dann entschieden, die Guides freundlich abzulehnen und den Sonnenofen auf eigene Faust zu erkunden – was letztlich auch problemlos möglich war. Man kann sich frei über das Gelände bewegen und bekommt auch ohne Führung einen guten Eindruck von der Anlage.
Ein Highlight ist definitiv die Fahrt mit dem Aufzug nach oben. Von dort hast du den besten Blick auf das riesige Spiegel-Feld, und erst dann wird einem wirklich bewusst, wie groß diese Anlage ist.
Trotzdem würde ich im Nachhinein sagen: Wenn du dich wirklich für die Technik und Hintergründe interessierst, lohnt es sich, vorab einen Guide zu organisieren, der Englisch spricht. Vor Ort ist das eher Glückssache, und ohne Erklärung bleibt vieles einfach abstrakt.


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