Sich in einer fremden Stadt verirren? Wer will denn sowas? In Fès ist das alleine schon eine Sehenswürdigkeit und dir wird das mit Sicherheit auch passieren – und erst dann hat man die Altstadt hier wirklich erlebt!
Fès (oder arabisch auch Fez genannt) ist die älteste von insgesamt vier Königsstädten in Marokko. Ihre Geschichte reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück.
Fès hat mehr als eine Million Einwohner und gehört zu den größten Städten des Landes. Dabei gibt es hier im historischen Zentrum quasi keine Hochhäuser. Stattdessen leben die Menschen teilweise noch immer dicht an dicht in einer Stadtstruktur, die über viele Jahrhunderte gewachsen ist.
Für mich ist Fès vor allem wegen seiner Medina etwas ganz Besonderes. Hinter den alten Stadtmauern verschwindet die moderne Welt teilweise erstaunlich schnell. Autos gibt es kaum, die Gassen werden immer enger und irgendwann hat man keine Ahnung mehr, wo man eigentlich gerade ist.
Fès: Marokkos älteste Königsstadt
Fès entstand ab dem Ende des 8. Jahrhunderts und entwickelte sich durch seine Lage an wichtigen Handelswegen schnell zu einem bedeutenden Zentrum. Über viele Jahrhunderte wurde die Stadt immer wieder erweitert. Besonders unter den Meriniden im 13. und 14. Jahrhundert erlebte Fès eine Blütezeit. Zahlreiche religiöse Schulen, Paläste und andere Bauwerke entstanden in dieser Epoche.
Die Medina von Fès gehört seit 1981 zum UNESCO-Welterbe. Und sie ist bis heute keine reine Sehenswürdigkeit für Touristen: Innerhalb der Mauern wird gewohnt, gearbeitet, gehandelt und produziert.
Die besten Sehenswürdigkeiten in Fès (+ Karte)
Die meisten wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen innerhalb oder unmittelbar rund um die Medina. Entfernungen sagen dabei allerdings wenig aus. Was auf der Karte nach wenigen hundert Metern aussieht, kann durch das Labyrinth der Gassen deutlich länger dauern.
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Mehr InformationenMedina: Die Altstadt von Fès
Die Medina von Fès ist das Herzstück der Stadt. In dieser arabischen Altstadt leben die Menschen dicht an dicht in meist zwei- bis dreistöckigen Häusern. Fast immer verfügen diese sogenannten Riads über einen offenen Innenhof und eine Dachterrasse. Anders würde auch kaum Licht hineinfallen.
Denn die Medina steht noch größtenteils so, wie sie auch schon vor hunderten von Jahren ausgesehen haben muss. Die Medina ist keine geplante Stadt gewesen. Vielmehr entstand hier über Jahrhunderte eine Ansammlung von Siedlungen, Wohnhäusern, Werkstätten und Märkten. Die praktische Lage an wichtigen Handelswegen war dafür ausschlaggebend. So gibt es auch kein vorgefertigtes Straßen- oder Wegemuster. Die Wege entstanden so, wie es die nach und nach gebauten Häuser eben ergaben.
Das Blaue Tor Bab Bou Jeloud
Die meisten Besucher betreten die Medina durch das Blaue Tor Bab Bou Jeloud. Dieses Tor ist zwar nur eines von mehreren, entspricht aber quasi dem Haupteingang zu dieser Stadt in der Stadt und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Fès.
Einmal in der Altstadt wird man von Eindrücken fast erschlagen. Überall riecht es nach orientalischen Gewürzen, Händler preisen lautstark ihre Waren an und Dienstleister warten im Schatten der Häuser auf Kunden.
Hier gibt es keine Autos! Es ist nicht nur weitgehend verboten, sondern an vielen Stellen schlicht nicht möglich. Die Wege sind viel zu eng und schon die zahlreichen Menschen sorgen für den ein oder anderen Stau.
Was nicht zu Fuß befördert werden kann, wird teilweise mit Eseln oder Motorrädern transportiert. Als Fußgänger muss man deshalb immer aufpassen, dass man nicht plötzlich einem Mofa oder einem beladenen Tier im Weg steht. Zum Glück werden diese meistens lautstark angekündigt, um sich Platz zu verschaffen.
Doch manchmal ist es so eng, dass Ausweichen gar nicht so einfach möglich ist.
Die labyrinthartigen Souks
Man geht leicht abwärts, je weiter man in die Medina vordringt. Aus zunächst noch breiteren Wegen werden bald äußerst schmale Gassen, die nur knapp zwischen zwei Hauswänden hindurchführen.
Überall zweigen noch kleinere Wege ab, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie irgendwohin führen oder nur der Zugang zu einer Eingangstür sind. Viele dieser Wege enden sogar als Sackgasse im Nichts oder man läuft einfach im Kreis.
Was nach einem wahren urbanen Labyrinth klingt, ist wirklich eins. Benötigt man auf den Hauptwegen nur wenig Orientierungssinn, um wieder aus der Medina herauszufinden, kann man sich in ihren hunderten Seitengassen wirklich verlaufen.
Aber keine Angst haben! Das macht den Reiz dieser arabischen Altstadt aus. Nicht umsonst gehört sie zu den besterhaltenen ihrer Art weltweit. Überall gibt es etwas Neues zu entdecken. Häufig kann man sich sogar auf seine Sinne verlassen und seiner Nase folgen. Nicht selten führt dies zu einem leckeren und preiswerten Restaurant oder Imbiss.
Medersa Bou Inania
Nur wenige Gehminuten hinter dem Blauen Tor liegt mit der Medersa Bou Inania eine der bedeutendsten historischen Koranschulen von Fès. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist mit aufwendigen Holzschnitzereien, Stuck und den typischen marokkanischen Zellij-Mosaiken verziert. Gerade für Nicht-Muslime ist sie interessant, weil man hier traditionelle religiöse Architektur wesentlich besser besichtigen kann als in vielen Moscheen der Stadt.
Al-Qarawiyyin: Eine der ältesten Universitäten der Welt
Zwischen den engen Gassen stößt man immer wieder auf kunstvoll verzierte Moscheen, die mal größer und mal kleiner sind. Zu den bekanntesten gehört al-Qarawiyyin. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine Moschee, sondern zugleich um eine der ältesten bis heute bestehenden Bildungsinstitutionen der Welt. Eine absolute Sehenswürdigkeit – auch wenn man sie als Nicht-Muslim größtenteils nur von außen beziehungsweise durch die geöffneten Tore anschauen kann.
Die Gerbereien von Fès
Sollte es zwischendurch einmal sehr streng riechen, ist man wahrscheinlich auf dem besten Weg, die Gerbereien zu finden. Für die Souks, in denen Leder nicht nur verkauft, sondern auch noch auf traditionelle Weise hergestellt wird, ist Fès weltweit bekannt.
Von den Dachterrassen der umliegenden Lederläden kann man den Arbeitern bei ihrer schweißtreibenden Arbeit zuschauen. Zwischen zahlreichen gemauerten Becken werden die Tierhäute bearbeitet und gefärbt. Der Geruch kann dabei durchaus intensiv werden. Nicht ohne Grund bekommt man an vielen Aussichtspunkten ein paar frische Minzblätter in die Hand gedrückt.
Das fertige Leder wird im Anschluss natürlich auch zu Schuhen, Taschen oder Jacken verarbeitet und verkauft. Verhandlungsgeschick kann dann durchaus von Vorteil sein.
Handel gehört in Fès einfach dazu
Neben Produkten für das tägliche Leben sind es vor allem Gewürze und Keramikwaren, die für Touristen interessant sind. Ohne Handel läuft hier nichts – und wenn man erst einmal ins Verhandeln eingestiegen ist, wird dies manchmal erst durch einen erfolgreichen Verkauf abgeschlossen. Notfalls muss halt noch etwas Minztee getrunken werden!
Empfehlenswert ist auch der frisch gepresste Saft, der an vielen Ecken zu einem fairen Preis verkauft wird. Am verbreitetsten ist Orangensaft. Je nach Saison gibt es aber auch viele weitere Obstsorten zur Auswahl, zum Beispiel Granatapfel. Gerade wenn es heiß ist, ist so ein frisch gepresster Saft zwischendurch eine willkommene Erfrischung.
Nejjarine-Platz und Fondouk el-Nejjarine
Mitten in der Medina liegt der kleine Nejjarine-Platz. Besonders auffällig ist der reich verzierte historische Brunnen. Direkt daneben befindet sich der Fondouk el-Nejjarine. In solchen Karawansereien konnten früher Händler übernachten und ihre Waren unterbringen. Heute befindet sich hier ein Museum für traditionelle Holzkunst. Von der Dachterrasse hat man außerdem einen schönen Blick über die dicht bebauten Dächer der Medina.
Alte Medina in Fès: Hilfe! Ich finde nicht mehr raus!
Je länger man durch die Gassen von Fès schlendert, umso weniger erinnert man sich an den Rückweg. Auch wenn man es sich vorher vorgenommen hat: Irgendwann will es nicht mehr ganz so mit der Navigation klappen. Auch in Zeiten von GPS und Smartphones ist man hier teilweise auf sich alleine gestellt. Zwischen den hohen Häusern funktioniert die Ortung nicht immer perfekt und längst nicht jede noch so kleine Gasse ist leicht auseinanderzuhalten.
Aber kein Grund zur Sorge! Irgendwann hat noch jeder aus diesem marokkanischen Labyrinth herausgefunden. Eine gute Methode ist es, zu einem der Hauptwege zurückzufinden. Diese führen dann früher oder später zu einem der zahlreichen Ausgänge. Wem das zu lange dauert, kann auch Einheimische um Hilfe bitten. Für diesen Dienst wird allerdings häufig ein Trinkgeld erwartet. Besonders Kinder und Jugendliche bessern sich so gerne ihr Taschengeld auf.
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, einen Guide zu buchen. Damit ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite, wenn man gezielt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt sehen möchte. Allerdings bringt einem der „unentdeckte“ Weg vielleicht doch mehr den Charme dieser erstaunlich gut erhaltenen arabischen Stadt nahe.
Außerhalb der Mauern der Medina fahren moderne Autos über breite Straßen. Innerhalb der Mauern von Fès meint man dagegen wirklich, in einer schon längst vergangenen Welt zu sein.
Weitere Sehenswürdigkeiten außerhalb der alten Medina
Wir verlassen die Medina. Rund um die historischen Stadtmauern und auf den Hügeln oberhalb der Altstadt lassen sich noch weitere Sehenswürdigkeiten entdecken.
Königspalast von Fès
Der Königspalast Dar el-Makhzen gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten außerhalb von Fès el-Bali.
Das eigentliche Palastgelände ist nicht öffentlich zugänglich. Sehenswert sind aber bereits die großen goldfarbenen Tore am Place des Alaouites. Mit ihren Mosaiken und aufwendigen Ornamenten gehören sie zu den bekanntesten Fotomotiven der Stadt.
Fès el-Jdid und das jüdische Viertel Mellah
Direkt am Königspalast liegt Fès el-Jdid. Der Name bedeutet zwar „neues Fès“, allerdings entstand dieser Stadtteil bereits im 13. Jahrhundert.
Hier befindet sich auch die historische Mellah, das frühere jüdische Viertel der Stadt. Auffällig sind unter anderem die zahlreichen nach außen gerichteten Balkone, die sich deutlich von der Bauweise in Fès el-Bali unterscheiden.
Die Ibn-Danan-Synagoge und der jüdische Friedhof erinnern bis heute an die lange jüdische Geschichte der Stadt.
Jnan-Sbil-Gärten
Zwischen Fès el-Bali und Fès el-Jdid liegen die Jnan-Sbil-Gärten.
Nach einigen Stunden im Gewusel der Medina ist die historische Grünanlage mit ihren schattigen Wegen, Palmen und Wasserläufen ein angenehmer Kontrast.
Wenn man irgendwann genug von engen Gassen und Händlern hat, ist das ein guter Ort für eine kleine Pause.
Festung Borj Nord
Das Borj Nord ist eine Festungsanlage oberhalb der Medina. Das mit Zinnen bekrönte Bauwerk wurde im 16. Jahrhundert errichtet und orientiert sich teilweise an europäischen beziehungsweise portugiesischen Festungsanlagen jener Zeit.
Zunächst sollte die Anlage auch der Kontrolle der Stadt dienen, später wurde sie unterschiedlich militärisch genutzt.
Heute befindet sich im Inneren ein sehenswertes Waffenmuseum, das Exponate aus verschiedenen Jahrhunderten zeigt.
Auch der Blick auf die Medina lohnt sich von hier oben.
Gräber der Meriniden
In der Nähe befinden sich noch ältere Zeugen der Geschichte. Die Meriniden-Gräber waren ursprünglich Grabanlagen für Herrscher jener Dynastie, die Fès im Mittelalter zu einer ihrer wichtigsten Städte machten. Heute sind von den einst eindrucksvollen Bauten nur noch wenige Mauern und Bögen erhalten.
Ein Besuch lohnt sich aber trotzdem, denn von diesem Ort aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Altstadt von Fès und erkennt besonders gut, wie dicht das Häusermeer innerhalb der Mauern tatsächlich ist.
Weitere Reisetipps für Fès
Hast du Lust auf eine Reise nach Fès in Marokko bekommen? Dann habe ich hier noch ein paar praktische Tipps für deinen Aufenthalt.
Wie komme ich am besten nach Fès?
Die Stadt Fès verfügt mit dem Flughafen Fès-Saïss über einen eigenen internationalen Flughafen und wird je nach Saison auch von verschiedenen europäischen Flughäfen direkt angeflogen. Fès ist außerdem gut an das marokkanische Bahnnetz angebunden. Gerade mit Meknès, Rabat und Casablanca lässt sich die Stadt deshalb problemlos kombinieren.
Wo sollte ich in Fès übernachten?
Die Auswahl an klassischen Riads in der Altstadt ist groß. Für mich passt so eine traditionelle Unterkunft besonders gut zu einem Aufenthalt in Fès. Wer es moderner möchte, findet in den neueren Stadtteilen aber auch klassische Hotels.
Wenn du mit einem Mietwagen unterwegs bist und in der Altstadt wohnen möchtest, solltest du bedenken, dass du nicht bis vor dein Riad fahren kannst. Parkplätze gibt es nur außerhalb der historischen Stadtmauern und gerade zu Stoßzeiten können diese ziemlich voll sein.
Brauche ich einen Guide in Fès?
Nein, zwingend notwendig ist ein Guide nicht. Wer gerne selbst entdeckt, kann sich problemlos auf eigene Faust in die Medina wagen. Wenn du allerdings gezielt bestimmte historische Gebäude, Werkstätten oder versteckte Sehenswürdigkeiten sehen möchtest, kann eine geführte Tour durchaus sinnvoll sein. Bei spontan angebotenen Führungen würde ich vorher immer eindeutig klären, ob und wie viel sie kosten sollen.
Wie lange sollte ich in Fès bleiben?
Fès ist vielseitig und spannend. Hier kann man problemlos ein paar schöne Tage verbringen und so auch weitere Highlights abseits der Medina entdecken. Für einen ersten Besuch würde ich mindestens zwei volle Tage einplanen. Einen davon kannst du fast komplett in Fès el-Bali verbringen. Am zweiten Tag bleiben dann genug Zeit für Königspalast, Mellah, Borj Nord und die Meriniden-Gräber. Wer gerne langsam reist, kann aber auch drei Tage bleiben – langweilig wird es in den Gassen mit Sicherheit nicht.
Ist Fès mit Kindern geeignet?
Grundsätzlich schon, allerdings kann die Medina mit kleineren Kindern durchaus anstrengend sein. Die Wege sind eng und uneben, teilweise sehr voll und zwischendurch kommen immer wieder Motorräder oder Lastentiere vorbei. Mit einem Kinderwagen stelle ich mir viele Bereiche ziemlich mühsam vor. Für etwas größere Kinder kann das Ganze dagegen richtig spannend sein: Esel, Handwerker, Gerbereien, Marktstände und die verwinkelten Gassen sorgen fast automatisch für Unterhaltung.
Welche weiteren Reiseziele gibt es in der Umgebung?
Fès liegt im zentralen Norden von Marokko. Von hier aus kann man gut die weitere Königsstadt Meknès besuchen. Auch die marokkanische Hauptstadt Rabat lässt sich gut mit Fès kombinieren.
Im Rahmen von Ausflügen kann man außerdem Ziele im Mittleren Atlas besuchen. In Ifrane und der Umgebung leben zum Beispiel Berberaffen noch in freier Wildbahn. Auch der Ausflug in die blaue Stadt Chefchaouen wird häufig angeboten, wobei die lange Fahrt für einen einzigen Tagesausflug schon einiges an Zeit kostet.
Sehr empfehlenswert finde ich außerdem die römische Ausgrabungsstätte Volubilis mit ihren Mosaiken und zahlreichen Überresten aus der Antike.
Lohnt sich Fès?
Ja – vor allem dann, wenn du nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten abhaken möchtest.
Natürlich gibt es in Fès historische Tore, Medersen, Moscheen, Gerbereien und Museen. Das eigentliche Erlebnis ist für mich aber die Medina selbst. Die Gerüche, Händler, kleinen Werkstätten, engen Gassen, Esel und Menschenmassen lassen sich kaum auf eine einzelne Sehenswürdigkeit reduzieren. Fès ist manchmal chaotisch, laut und anstrengend. Aber genau darin liegt für mich auch der Reiz.
Und wenn du irgendwann feststellst, dass du überhaupt keine Ahnung mehr hast, wo du gerade bist, hast du die Medina wahrscheinlich genau richtig erlebt.

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