Kotor gehört für mich zu den schönsten Orten in Montenegro. Die mittelalterliche Altstadt liegt direkt am Wasser, während dahinter steile Berge fast senkrecht aufragen – ein Panorama, das tatsächlich ein wenig an Norwegen erinnert. Dazu kommen alte Kirchen, venezianische Paläste und eine Festung hoch über der Stadt, deren Aufstieg allerdings inzwischen überraschend teuer geworden ist.
Das malerische Kotor liegt an einem besonders spektakulären Abschnitt der montenegrinischen Adriaküste. Die kleine historische Stadt wird auf der einen Seite vom Wasser und auf der anderen von steilen Karstbergen eingerahmt.
Wenn du nur einen Ort in Montenegro besuchen kannst, wird dir wahrscheinlich ziemlich schnell Kotor empfohlen. Ich kann das nachvollziehen. Besonders die Kombination aus mittelalterlicher Altstadt und der gewaltigen Landschaft rund um die Bucht macht den Ort außergewöhnlich.
Ist die Bucht von Kotor wirklich ein Fjord?
Immer wieder wird die Bucht von Kotor als „südlichster Fjord Europas“ bezeichnet. Optisch ist der Vergleich durchaus verständlich: Das schmale blaue Wasser wird von steil aufragenden Bergen eingerahmt und erinnert tatsächlich an Norwegen.
Geologisch ist die Bucht allerdings kein Fjord. Fjorde entstehen durch Gletscher, was hier nicht der Fall war. Der bekannte Beiname ist also eher touristisch als wissenschaftlich korrekt.
Das macht die Landschaft natürlich nicht weniger spektakulär. Besonders von den Berghängen oberhalb Kotors hast du einen fantastischen Blick über das tiefblaue Wasser und die weit verzweigte Bucht.
Kotor und seine lange Geschichte
Die Geschichte Kotors reicht bis in die Antike zurück. Über Jahrhunderte wechselten die Herrscher, besonders prägend war aber die lange Zeit unter venezianischer Kontrolle. Noch heute erinnern Paläste, Kirchen und die mächtigen Befestigungsanlagen daran.
1979 traf ein schweres Erdbeben die Region und beschädigte zahlreiche historische Gebäude. Anschließend wurde viel restauriert und wiederaufgebaut.
Seit 1979 gehört die Natur- und kulturhistorische Region von Kotor zum UNESCO-Welterbe. Zusätzlich wurden 2017 die venezianischen Verteidigungsanlagen von Kotor gemeinsam mit Festungen in Italien und Kroatien in die Welterbeliste aufgenommen.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Kotor (+ Karte)
Kotor ist angenehm kompakt. Fast alle Sehenswürdigkeiten innerhalb der Stadtmauern liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Für die Altstadt selbst brauchst du deshalb kein festes Programm – eigentlich macht es am meisten Spaß, einfach durch die Gassen zu laufen und immer wieder irgendwo abzubiegen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenAltstadt von Kotor
Die Altstadt von Kotor ist für mich die eigentliche Hauptsehenswürdigkeit. Hinter den massiven Mauern wartet ein Labyrinth aus gepflasterten Gassen, kleinen Plätzen, Kirchen, Palästen und alten Steinhäusern.
Durch drei größere historische Tore gelangst du in den Stadtkern. Das bekannteste ist das Sea Gate an der dem Hafen zugewandten Seite. Daneben gibt es das River Gate im Norden und das Gurdić Gate im Süden.
Innerhalb der Mauern stehen die hellen Steinhäuser dicht nebeneinander. Kleine Restaurants, Cafés und Geschäfte verstecken sich zwischen jahrhundertealten Fassaden. Gerade morgens und am Abend, wenn weniger Tagesbesucher unterwegs sind, hat die Altstadt eine besondere Atmosphäre.
Waffenplatz und Uhrturm
Direkt hinter dem Sea Gate öffnet sich der größte Platz der Altstadt, der Trg od Oružja beziehungsweise Waffenplatz. Er war über Jahrhunderte das politische und gesellschaftliche Zentrum Kotors.
Unübersehbar ist der dreistöckige Uhrturm aus dem frühen 17. Jahrhundert. Er steht heute sichtbar leicht schief – eine Folge mehrerer Erdbeben, die Kotor im Laufe seiner Geschichte getroffen haben.
Rund um den Platz befinden sich ehemalige Paläste, Restaurants und Cafés. Für mich ist er ein guter Ausgangspunkt, bevor man sich einfach durch die kleinen Seitengassen treiben lässt.
Kathedrale des Heiligen Tryphon
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die im bisherigen Artikel noch fehlte, ist die Kathedrale des Heiligen Tryphon. Die römisch-katholische Kathedrale gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Kotors.
Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Mehrere Erdbeben beschädigten das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte, weshalb sich heute verschiedene Baustile miteinander vermischen.
Schon die Fassade mit ihren beiden Türmen fällt auf. Im Inneren befinden sich religiöse Kunstwerke und Reliquien des Heiligen Tryphon, des Schutzpatrons von Kotor.
Sveti Luka und die orthodoxe Kirche Sveti Nikola
Auch der kleine Trg Svetog Luke gehört für mich zu einem Rundgang durch Kotor. Hier stehen gleich zwei interessante Kirchen nur wenige Meter voneinander entfernt.
Die kleine Kirche Sveti Luka stammt aus dem späten 12. Jahrhundert und ist besonders interessant, weil sie im Laufe ihrer Geschichte sowohl von katholischen als auch von orthodoxen Christen genutzt wurde.
Direkt daneben steht die deutlich größere orthodoxe Kirche Sveti Nikola. Sie ist wesentlich jünger und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Mit ihren dunklen Kuppeln bildet sie einen auffälligen Kontrast zu den mittelalterlichen Gebäuden ringsherum.
Maritimes Museum von Kotor
Kotor war über Jahrhunderte eng mit der Seefahrt verbunden. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lohnt sich das Maritime Museum im historischen Grgurina-Palast.
Die Ausstellung erzählt von Seefahrern, Handelsfamilien und der Bedeutung der Bucht für den Schiffsverkehr. Zu sehen sind unter anderem historische Karten, Schiffsmodelle, Uniformen, Waffen und alte Porträts.
Gerade wenn das Wetter einmal nicht mitspielt, ist das Museum eine gute Ergänzung zum Rundgang durch die Altstadt.
Die Stadtmauern von Kotor
Schon vom Hafen aus kannst du erkennen, wie ungewöhnlich die Befestigungsanlage von Kotor ist. Die Mauern umgeben nicht nur die eigentliche Altstadt, sondern ziehen sich von dort weit den steilen Berghang hinauf.
Genau diese Verteidigungsanlagen gehören seit 2017 zum UNESCO-Welterbe der venezianischen Befestigungen. Sie verbinden die Stadt unten am Meer mit den Ruinen der Festung hoch oben am Berg.
Festung Sveti Ivan – mehr als 1.300 Stufen über Kotor
Mitten in der Altstadt beginnt einer der bekanntesten, aber auch anstrengendsten Wege in Kotor. Über mehr als 1.300 Stufen geht es hinauf zur Festung Sveti Ivan, die auch als San Giovanni Fortress oder St.-Johannes-Festung bezeichnet wird.
Die historischen Stufen sind alles andere als gleichmäßig. Mal sind sie sehr hoch, mal flach, teilweise bröckelig und bei Nässe ziemlich glatt. Der Aufstieg ist entsprechend anstrengend.
Schon weit vor der Festung lohnt sich allerdings der Blick zurück. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich das Panorama weiter und irgendwann liegt die komplette Altstadt weit unter dir.
Etwa auf halber Strecke kommst du an der kleinen Kirche Gospa od Zdravlja – Our Lady of Remedy – vorbei. Alleine bis hierhin aufzusteigen lohnt sich meiner Meinung nach schon wegen der Aussicht.
Ganz oben wartet schließlich die eigentliche Festungsruine. Und hier muss ich inzwischen etwas Wasser in den Wein gießen: Der reguläre Eintritt für den Aufstieg kostet mittlerweile stolze 15 Euro pro Person. Als ich vor einigen Jahren hier war, konnte ich die Treppen noch kostenlos hinaufgehen.
15 Euro finde ich vor allem deshalb ziemlich happig, weil die eigentliche Festung oben stark zerfallen ist und auf mich nicht besonders gut gepflegt wirkt. Vieles besteht nur noch aus Mauern und Ruinen, einzelne Bereiche wirken ziemlich sich selbst überlassen. Gemessen am inzwischen doch recht hohen Eintrittspreis hätte ich hier ehrlich gesagt einen besseren Zustand erwartet.
Was den Aufstieg trotzdem besonders macht, ist die Aussicht. Die Altstadt, die Bucht und die steilen Berge rundherum liegen einem von hier oben wirklich zu Füßen. Dafür – und nicht unbedingt für die Festungsruine selbst – lohnt sich der Weg.
Mein Tipp: Auf keinen Fall in der Mittagshitze hinaufsteigen. Im Sommer würde ich so früh wie möglich starten. Auf weiten Teilen der Strecke gibt es kaum Schatten und der Aufstieg ist deutlich anstrengender, als die Entfernung zunächst vermuten lässt. Wasser und feste Schuhe gehören unbedingt dazu.
Im Internet findest du teilweise noch Tipps, über die sogenannte Ladder of Kotor kostenlos in die Festungsanlage einzusteigen. Diese Verbindung wurde inzwischen geschlossen. Der Wanderweg selbst kann weiterhin interessant sein, führt aber nicht mehr als kostenloser Hintereingang auf den offiziellen Festungsweg.
Mit der Seilbahn von Kotor hinauf zum Lovćen
Wenn dir mehr als 1.300 Stufen zur Festung Sveti Ivan zu anstrengend sind oder du die Bucht noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive sehen möchtest, gibt es inzwischen eine deutlich bequemere Alternative: die Seilbahn Kotor–Lovćen.
Die Talstation liegt in Dub etwas außerhalb von Kotor. Von dort fahren die Gondeln auf einer rund 3,9 Kilometer langen Strecke hinauf zur Bergstation Kuk am Lovćen. Dabei werden mehr als 1.300 Höhenmeter überwunden – und das in gerade einmal rund 11 Minuten. Während der Fahrt öffnet sich ein spektakulärer Blick über die Bucht von Kotor und die umliegenden Berge.
Oben angekommen bist du praktisch direkt am Lovćen-Nationalpark. Dort gibt es Aussichtspunkte, Wanderwege und weitere Freizeitangebote. Die Seilbahn eignet sich deshalb nicht nur für die Aussicht, sondern auch als Ausgangspunkt für einen längeren Ausflug in die Berge.
Preislich ist das Erlebnis allerdings ebenfalls nicht ganz günstig. Regulär kostete die Hin- und Rückfahrt zuletzt 25 Euro für Erwachsene. In der Nachsaison gibt es teilweise günstigere Tarife – aktuell beispielsweise 20 Euro für Hin- und Rückfahrt. Da Preise und Betriebszeiten saisonabhängig sind und sich auch wetterbedingt ändern können, würde ich sie vor dem Besuch noch einmal auf der offiziellen Website prüfen.
Mein Tipp: Wenn du ohnehin mit dem Auto unterwegs bist, lässt sich die Talstation gut in einen Besuch von Kotor integrieren. Die Seilbahn ersetzt für mich den Festungsaufstieg aber nicht vollständig: Von Sveti Ivan blickst du direkt senkrecht auf die Altstadt, während die Seilbahn ein viel weiteres Panorama über die gesamte Bucht bietet.
Katzen gehören in Kotor einfach dazu
Eine klassische Sehenswürdigkeit sind sie eigentlich nicht – trotzdem wirst du die Katzen von Kotor kaum übersehen können.
In fast jeder Gasse liegen oder sitzen Katzen. Die Tiere gehören inzwischen so sehr zum Stadtbild, dass es Souvenirs, einen eigenen kleinen Katzenladen und sogar ein Katzenmuseum gibt.
Viele Bewohner kümmern sich um die Tiere und an verschiedenen Stellen stehen Futter- und Wasserschalen bereit. Für Katzenfans ist Kotor deshalb fast schon ein kleines Paradies.
Eine Bootsfahrt durch die Bucht von Kotor
Kotor nur vom Land aus zu sehen, wäre eigentlich schade. Am Hafen werden zahlreiche Bootsausflüge durch die Bucht angeboten. Schon nach kurzer Zeit verändert sich die Perspektive komplett und du siehst erst richtig, wie spektakulär die Stadt zwischen Wasser und Bergen liegt.
Je nach Tour werden verschiedene Orte in der Bucht angesteuert. Besonders beliebt sind Perast und die kleine künstliche Insel Gospa od Škrpjela – auf Deutsch meist „Maria vom Felsen“ oder „Our Lady of the Rocks“ genannt.
Wenn du mehrere Tage in Kotor bleibst, würde ich einen solchen Bootsausflug fest einplanen.
Weitere Reisetipps für Kotor
Kotor selbst ist klein und unkompliziert zu erkunden. In der Hauptsaison gibt es allerdings einen Faktor, den du bei deiner Planung unbedingt berücksichtigen solltest: Kreuzfahrtschiffe.
Wann ist die beste Zeit für die Altstadt?
Wenn morgens ein großes Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt, kann sich die kleine Altstadt innerhalb kurzer Zeit massiv füllen. Dann drängen sich große Reisegruppen durch dieselben engen Gassen.
Ich würde deshalb möglichst früh morgens oder später am Nachmittag beziehungsweise am Abend durch Kotor laufen. Sobald die Tagesausflügler verschwinden, verändert sich die Atmosphäre deutlich.
Wie komme ich am besten nach Kotor?
Der nächstgelegene internationale Flughafen befindet sich in Tivat. Je nach Verkehr brauchst du von dort mit dem Auto nur ungefähr 15 bis 20 Minuten nach Kotor.
Alternativ kommen Podgorica und Dubrovnik infrage. Gerade bei Dubrovnik solltest du allerdings die zusätzliche Grenzüberquerung zwischen Kroatien und Montenegro einplanen.
Kotor besitzt keinen Bahnhof. Innerhalb Montenegros ist der Ort deshalb vor allem mit dem Auto oder Bus erreichbar.
Wo parke ich in Kotor?
In die historische Altstadt kannst du natürlich nicht mit dem Auto fahren. Rund um die Stadtmauer gibt es mehrere kostenpflichtige Parkplätze.
Im Hochsommer können diese schnell voll sein. Wenn du Kotor mit dem Mietwagen besuchst, würde ich deshalb ebenfalls möglichst früh kommen.
Ist Kotor mit Kindern geeignet?
Die Altstadt selbst funktioniert auch mit Kindern gut. Sie ist weitgehend autofrei, die Entfernungen sind kurz und überall gibt es etwas zu entdecken.
Anders sieht es beim Festungsaufstieg aus. Mehr als 1.300 ungleichmäßige Stufen, hohe Temperaturen und fehlender Schatten machen ihn für kleinere Kinder ziemlich anstrengend. Mit einem Kinderwagen ist der Weg ohnehin keine Option.
Wie lange sollte ich in Kotor bleiben?
Für die Altstadt und ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten reicht grundsätzlich ein voller Tag. Wenn du zusätzlich zur Festung hinaufsteigen und eine Bootsfahrt durch die Bucht machen möchtest, würde ich mindestens zwei Tage einplanen.
Eine Übernachtung hat außerdem den großen Vorteil, dass du Kotor am Abend und am frühen Morgen erleben kannst, wenn viele Kreuzfahrt- und Tagesgäste wieder verschwunden sind.
Welche Orte liegen in der Nähe?
Nur rund 20 Minuten entfernt liegt Perast, das mit seinen alten Palästen direkt am Wasser völlig anders wirkt als Kotor. Von dort fahren kleine Boote zur Inselkirche Our Lady of the Rocks.
In die andere Richtung erreichst du Budva mit seiner historischen Altstadt und den Stränden ebenfalls relativ schnell.
Wenn du länger in der Bucht unterwegs bist, lohnt sich außerdem Herceg Novi am Eingang der Boka Kotorska.
Lohnt sich Kotor?
Für mich gehört Kotor trotz des enorm gewachsenen Tourismus weiterhin zu den schönsten Orten in Montenegro. Nur wenige Städte verbinden eine so gut erhaltene historische Altstadt mit einer derart spektakulären Landschaft.
Besonders die engen Gassen, Kirchen und alten Steinhäuser machen den historischen Kern sehenswert. Dazu kommt die Bucht, die beinahe direkt hinter den Dächern in steile Berge übergeht.
Beim Festungsaufstieg bin ich inzwischen etwas kritischer. Die Aussicht ist großartig, aber 15 Euro für einen Weg, der vor wenigen Jahren noch kostenlos war, und eine oben ziemlich zerfallene und aus meiner Sicht schlecht gepflegte Ruine sind schon eine Ansage.
Das ändert für mich aber nichts daran, dass Kotor selbst zu den Orten gehört, die ich bei einer ersten Montenegro-Reise auf keinen Fall auslassen würde.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar