Silvester in Rumänien: Eine verrückte Nacht in Sibiu

Rumänien

Silvester in Rumänien
Fester Bestandteil von Silvester in Rumänien: Viel gutes Essen!

Wie feiert man eigentlich Silvester in Rumänien? Um das herauszufinden, ging es über den Jahreswechsel ins rumänische Sibiu. Und diese Nacht wurde spannend und etwas verrückt.


Andere Länder, andere Sitten: Das trifft nicht nur auf das allgemeine Leben zu, sondern zeigt sich auch immer wieder an Feiertagen. Daher verbringe ich den Jahreswechsel gerne irgendwo im Ausland. Mal was anderes erleben und reinschnuppern in bis dato unbekannte Sitten und Bräuche.

Diesmal ging es ganz spontan für ein verlängertes Wochenende in eines meiner Lieblingsländer: Rumänien. Schon auf früheren Reisen hat mich die Diversität dieses Landes immer aufs neue begeistern können und ich war überzeugt davon, dass es bestimmt auch Silvester in Rumänien ein spannendes Erlebnis werden wird. Also, wie feiert man denn so in Rumänien?

Eines vorab: Ich hatte keine Ahnung wie ein richtiges rumänisches Neujahrsfest aussieht und so stieg ich ohne große Vorahnung in den Flieger, der mich nach Sibiu in Siebenbürgen bringen sollte. Selbst wenn in Rumänien an Silvester nichts spannendes passieren sollte, konnte ich so zumindest eine Stadt sehen, die mich schon lange interessierte und auf meiner Bucketlist stand.

Silvester in Sibiu: Wo geht man hin?

Eines wollte ich aber auf jeden Fall: Den Silvesterabend mit einem leckeren Essen starten, weil mit einem vollen Magen wird alles gleich ein wenig besser. Schnell stellten meine Reisebegleitung und ich aber fest, dass man am Silvesterabend nicht einfach einen Tisch in einem beliebigen Restaurant reservieren kann. Viele Läden bleiben geschlossen und die anderen bieten Silvester-Dinner zum Pauschalpreis an. Okay, das schien wohl ein gemeinsamer Nenner für Silvester in Rumänien sein. Daher suchten wir uns ein passendes Restaurant heraus und fragten an, ob noch Platz für uns wäre.

Kein Problem! Wir sollten nur vorab kommen und zur Sicherheit schon mal bezahlen. Der Pauschalpreis von 40€ schien uns – zumindest für rumänische Verhältnisse – zunächst recht teuer. Aber, hey, es ist halt eine der gefragtesten Abende des Jahres. Und so besuchten wir vorab die Restaurantchefin, versuchten (aufgrund einer großen Sprachbarriere) mit Hand-und-Fuß herauszufinden, was im Preis alles beinhaltet war und ließen unser „Eintrittsgeld“ dort. Um eines schon mal vorweg zu nehmen: 40€ waren für diesen Abend mehr als fair!

Losgehen sollte es am Abend des 31. Dezembers ab 19 Uhr. Mit deutscher Pünktlichkeit schlugen wir auf und waren – natürlich – die allerersten Gäste. Eine üppige Vorspeisenplatte war auch bereits angerichtet, die wahrscheinlich alleine schon die ganze Nacht satt gemacht hätte. Die Restaurantmanagerin teilte uns mit, dass wir an diesem Abend die einzigen ausländischen Gäste wären. Aber welch ein Glück: Sie hätte eine Gruppe Rumänen gefunden, die ein wenig deutsch sprechen würden und sich gerne dazu bereit erklärt hätten, mit uns den Tisch zu teilen.

Das ist überhaupt einer der (vielen) Gründe, was ich an Rumänien mag. Die Menschen sind wirklich gastfreundlich. Es mag auch unter uns Deutschen Ausnahmen geben, aber wie viele hätten denn sich bereit erklärt für Leute deren Sprache man kaum beherrscht und die man noch nie vorher gesehen hat, eine Art Babysitter und Instrukteur für diesen „Abend aller Abende“ zu spielen?

Wenig später trafen auch unsere bis dahin unbekannten Tischnachbarn im Lokal, welches in einer urigen Kellerbar angesiedelt war, ein. Zwei befreundete Männer mittleren Alters, der eine kam mit Frau, der andere als Single. Obendrein war noch die Schwiegermutter anwesend. Die Chemie stimmte von Anfang an und man kam schnell ins Gespräch und es schien ein angenehmer Abend zu werden.

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Silvester in Rumänien: Geselligkeit und (viel) gutes Essen

Silvester und obulentes Essen scheinen in Rumänien eine Symbiose zu bilden. Wir rechneten nach der – äußerst – üppigen Vorspeise vielleicht noch mit einem warmen Hauptgang und einem Dessert danach. Schlußendlich wurden aber im 45-Minuten-Rhytmus ständig neue Teller vom Kellner gebracht. Es gab eine Festtagssuppe, für jeden einen ganzen Fisch, danach Braten, Schnitzel … und obendrauf waren offenbar auch alle Getränke im Preis inbegriffen. Während wir uns nur an Softdrinks und einheimisches Bier wagten, zeigte mein Tischnachbarn auch schnell, dass mehr drin ist. So hatten wir schon bald die erste Flasche Baileys und Sekt auf den Tisch stehen.

Die Stunden bis Mitternacht verbrachten wir so mit Essen, Trinken, erneutem Essen und gelegentlichen Tanzen. Der DJ legte für uns sogar deutschen Schlager auf. Was genau lief, weiß ich leider nicht mehr. Dafür war in der Zwischenzeit zu Häufig auf das Jahresende angestoßen worden. Das Essen war hevorragend und es gab eigentlich für jeden Geschmack etwas. Leider konnten wir nie sagen, was noch kommt und vor allem wie lange das anhalten würde. Bereits um 22 Uhr waren wir so vollgefressen, dass man uns aus dem Restaurant hätte rollen können. Silvester in Rumänien scheint auch zu bedeuten, es gibt mehr zu essen, als man essen kann.

Come-together fürs Feuerwerk

Kurz vor Mitternacht gab es dann von unseren neuen Freunden auf Zeit, die letzten Instruktionen für ein gelungenes Silvester in Rumänien. Wir packten eine (weitere) Sektflasche ein, nahmen unsere Gläser mit und machten uns auf den Weg zum Piata Mare, dem größten Platz in Sibiu. Von dort aus sollte um Punkt 12 ein Feuerwerk starten, was wir natürlich nicht verpassen wollten.

Silvester in Rumänien
Silvester in Rumänien: Um Mitternacht zieht es alle zum Piața Mare, um das Feuerwerk zu bestaunen und anzustoßen.

Angekommen am „Großen Platz“ waren schon etliche Menschen auf den Beinen. Der Größe Sibius nach zu urteilen, wahrscheinlich alle Anwohner im Umkreis von 5km. Die letzten Sekunden wurden dann von der Menschenmenge heruntergezählt. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, probierten wir lippensynchron mitzusummen, um nicht als bunte Hunde aufzufallen. Um Punkt 12 wurde dann auch klar, warum wir unbedingt jeder ein Sektglas mitnehmen sollten. Zum einen natürlich um eine „Frohes Neues“ zu wünschen und anzustoßen. Zum anderen, um das Glas nach dem Leeren mit viel Schmackes auf dem gepflasterten Boden zu zerschmettern. Hintergrund: Scherben bringen Glück und das will ja wohl ein jeder im neuen Jahr haben, oder? Ungewöhnlich, aber wir machten natürlich mit. Für den deutschen Ordnungssinn braucht das schon ein wenig Überwindung – vor allem mitten auf einem öffentlichen Platz.

Jenseits Mitternacht: Jetzt geht die Party richtig los!

Okay, Feuerwerk angeschaut, geschunkelt, angestoßen … und nun zurück ins Lokal! Der DJ hatte die Musik zeitweise deutlich lauter gedreht. Es wurde mehr getanzt und gefeiert. Die Tische verwaisten immer mehr, die Gruppen mischten sich. Gleich geblieben hingegen: Die Kellner hörten nicht auf, weitere Teller zu bringen. Nach einem üppigen Schokodessert, folgte noch eine Schokotorte. Und auch mit Dessert Nr. 2, erzählten uns unsere rumänischen Tischgenossen, war noch kein Ende in Sicht. Alle freuten sich erneut auf den nächsten Gang. Ich selber schaffte seit 22 Uhr bereits keinen einzigen Happen mehr.

Auch wenn wir sehr gespannt waren, wie lange an Silvester in Rumänien wohl gefeiert wird, mussten wir uns gegen 3 Uhr nachts dann doch leider verabschieden. Unser Flieger ging tatsächlich um 06:05 Uhr am Neujahrsmorgen. Was für eine unchristliche Zeit – aber günstig war er.

Auf Taxijagd in Sibiu

Man hatte uns bereits vorgewarnt: An Silvester in Rumänien bekommt man kein Taxi. Besonders nicht hier, in Sibiu. Dass die Suche nach einem freien Wagen, der uns zum Flughafen bringen würde, schwierig wird, hatten wir bereits geahnt. Aber dass es so schwierig sein würde, hätten wir dann doch nicht gedacht.

Wir hatten genau 2 Taxirufnummern. Diese riefen wir abwechselnd an. Es ging immer jemand dran, wenn aber kein Auto da war, wurde wieder aufgelegt und man sollte später anrufen. Ich verstehe bis heute nicht, warum man dann sich überhaupt die Mühe machte, ans Telefon zu gehen. Anscheinend waren wir auch die einzigen Anrufer, die stets in Englisch mit dem Operator sprachen. Nach 30 Minuten erfolglosen Daueranrufen, kannte man uns bereits an den Hotlines. Die richtige „Gewinnspielleitung“ hatten wir jedoch leider noch nicht getroffen.

Alternativen wurden ausgelotet: Mit dem Bus zum Flughafen? Theoretisch möglich, aber erst ab 5 Uhr. Das würde knapp werden und eine Busfahrt am Tag zuvor hatte gezeigt, wie unwahrscheinlich es ist, dass ein Bus auch zu veranschlagten Zeit am der Haltestelle vorfuhr. Zu risikoreich! Zum Glück liegt der Flughafen nur 6km vom Stadtzentrum entfernt. Also packten wir unseren Rucksack und verließen die Pension.

Vielleicht war zufällig ein Taxi auf der Straße frei? Nein, natürlich nicht. Also ab ins größte Hotel der Stadt und die Rezeptionistin fragen, ob sie was organisieren würde. Und da traffen dann Glück und rumänische Gastfreundschaft im absolut richtigen Moment aufeinander. Die Rezeptionistin teilte uns mit, dass sie in 5 Minuten von ihrem Mann mit dem Auto abgeholt werden würde. Vorher könnte er uns dann ruhig zum Flughafen fahren. Eine Wahnsinnsgeste! Am Flughafen angekommen drückten wir dem Mann das Geld in die Hand, was sonst der Taxifahrer bekommen hätte. Er hätte wohl auch gar nichts verlangt, freute sich aber sichtlich über unsere Bezahlung.

Mit vollen Mägen, jeder Menge Eindrücke und einem gelungenen Start ins neue Jahr, verließen wir Rumänien vom Flughafen Sibiu aus. Wir wussten vorher nicht, was passieren würde. Aber das, was passierte, war eine Silvesternacht, an die wir uns mit Sicherheit noch lange erinnern werden!

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1 Kommentar

  1. Unsere geplante Rumänien Reise liegt inzwischen 2 Jahre im Schub aus aktuellem Anlass. Viele Pins habe ich mir dazu in Google Maps gesetzt. Für uns kommt nur die Vor- oder Nachsaison in Frage. Aber Silvester in Rumänien hat bestimmt auch etwas. Dass die Rumänen feiern können und gesellig sind, ist allgemein bekannt.

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