Amphitheater von El Djem: Afrikas Antwort auf das Kolosseum

Sehenswürdigkeit in Tunesien

Ej Djem Amphitheater
Das Amphitheater in El Djem ist das größte seiner Art in ganz Nordafrika und eine wichtige Sehenswürdigkeit in Tunesien.

Mitten in einer ruhigen tunesischen Kleinstadt erhebt sich ein Bauwerk, das eigentlich hier gar nicht zu erwarten wäre. Das Amphitheater von El Djem zählt zu den größten der römischen Welt und steht heute als stilles Monument für Macht, Unterhaltung und Vergänglichkeit. Wer es betritt, erlebt römische Geschichte nicht hinter Glas, sondern in beeindruckender Nähe.


El Djem (auch El Jem geschrieben) wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Eine ganz normale Kleinstadt in Tunesien halt. Es gibt keine große Altstadt, keinen touristischen Trubel – und doch befindet sich hier eines der bedeutendsten römischen Bauwerke außerhalb Italiens. In der Antike hieß El Djem Thysdrus und war eine wohlhabende Stadt der römischen Provinz Africa Proconsularis. Der Reichtum basierte vor allem auf dem Olivenölhandel. Genau dieser wirtschaftliche Erfolg machte es möglich, ein Amphitheater zu errichten, das in Größe und Ambition fast an das Kolosseum in Rom heranreicht.

Arena in El Djem
Den Innenraum zeigt klar die Größe dieses Amphitheater, wogleich hier wohl nie Gladiatorenkämpfe stattgefunden haben. Auch heute gibt es hier noch hin und wieder Kulturveranstaltungen zu sehen.

Die Geschichte des Amphitheaters – Macht, Prestige und Aufstand

Panoramaaufnahme
Panoramaaufnahme im Inneren von El Djem

Das Amphitheater von El Djem wurde im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. erbaut, vermutlich um 230 n. Chr. Anders als viele römische Bauwerke entstand es nicht auf Befehl des Kaisers, sondern als Prestigeprojekt einer reichen Provinzstadt. Der ursprüngliche römische Bau bot gerade mal Platz für 2.000 Zuschauer. Es lag an den Einwohnern, die durch den Olivenhandel reich geworden war, dass das Amphitheater von El Djem die heutigen Ausmaße erreichen konnte. Mit den heutigen Überresten blickt man übrigens auf die 3. Version des Theaters, das an diesem Ort erbaut wurde. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um das letzte Amphitheater überhaupt, dass die antiken Römer jemals errichteten.

Bis zu 35.000 Zuschauer sollen im finalen Platz gefunden haben. Typische Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und öffentliche Spiele fanden hier aber vermutlich nie statt. Dafür wurde das Amphitheater später ironischerweise selbst zum Symbol des Widerstands. Im Jahr 238 n. Chr. verschanzten sich Aufständische gegen die römische Herrschaft im Bauwerk. Sie wollten den Römer schlichtweg keine Steuern mehr bezahlen. Die Römer belagerten das Amphitheater und beschädigten es dabei schwer.

Im Mittelalter wurde das Theater als Festung genutzt. So suchten die Einwohner von El Djem während der Angriffe der Vandalen (430 n. Chr.) und Arabern (647 n. Chr.) in den starken Mauern Schutz. 1695 während der Revolution von Tunis, ließ Mohamed Bey El Mouradi eine der Wände entfernen, da sie die Anhänger seines Bruders dort nicht länger verstecken sollten. Diese Beschädigung ist bis heute noch sichtbar. Danach war das Amphitheater Ort für Handel und die Produktion von Salpeter.

Monumentale Baukunst aus dr Römerzeit

El Djem Gänge
Die unterirdischen Gänge unterhalb des Amphitheater in El Djem sind bis heute erhalten geblieben.

Wie viele Gebäude der römischen Epoche ist auch das Amphitheater in El Djem ein architektonisches Meisterwerk. Das Amphitheater von El Djem ist ein architektonisches Meisterwerk. Mit einer Höhe von rund 36 Metern und einer elliptischen Form wirkt es selbst heute noch überwältigend. Anders als viele Amphitheater wurde es nicht in einen Hang gebaut, sondern vollständig freistehend errichtet – eine enorme technische Herausforderung.

Das Amphitheater von El Djem ist das größte seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent und zählt zu den drei größten Amphitheatern des gesamten Römischen Reiches. Der Vergleich mit dem Kolosseum in Rom drängt sich unweigerlich auf: Auch wenn es nie als direkte Kopie gedacht war, erreicht es in mehreren Punkten eine erstaunliche Nähe zum berühmtesten Theater der Antike.

Massive Sandsteinblöcke wurden ohne Mörtel aufeinandergesetzt. Diese präzise Bauweise sorgte dafür, dass große Teile des Bauwerks Jahrhunderte überdauerten – trotz Erdbeben, Plünderungen und Zweckentfremdung. Seit 1979 gehört das Amphitheater von El Djem zum UNESCO-Weltkulturerbe, eine Anerkennung für seinen außergewöhnlichen Erhaltungszustand und seine Bedeutung für die römische Geschichte Nordafrikas.

El Djem: Drehort für „Das Leben des Brian“

El Djem Schild
El Djem-Schild mit besten Blick auf das Amphitheater

Das Amphitheater von El Djem ist nicht nur ein archäologisches Monument, sondern auch eine gefragte Filmkulisse für antike Stoffe. Seine Größe, der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand und die ruhige Umgebung machen es zu einem idealen Drehort – besonders für Produktionen, die römische Geschichte authentisch darstellen wollen.

Internationale Bekanntheit erlangte El Djem vor allem durch den Film Monty Pythons Das Leben des Brian. Mehrere Arenaszenen wurden hier gedreht, da das Amphitheater eine realistische Alternative zum Kolosseum bot – ohne moderne Bebauung im direkten Umfeld. Gerade diese „Unberührtheit“ der Kulisse war für Filmteams entscheidend. Der Film Gladiator wurde hingegen anderer Gerüchte jedoch nicht hier gedreht. El Djem diente nicht als offizieller Drehort, sondern eher als gedankliches Vorbild: Seine Größe, seine freistehende Bauweise und der gute Erhaltungszustand ähneln stark dem filmischen Bild der Arena, das viele Zuschauer im Kopf haben. Genau deshalb hält sich der Mythos bis heute so hartnäckig.

Was macht den Besuch von El Djem besonders?

El Djem Gänge
Die unterirdischen Gänge unterhalb des Amphitheater in El Djem sind bis heute erhalten geblieben.

Im Inneren des Amphitheaters von El Djem wirkt die Antike erstaunlich nah. Die unterirdischen Gänge sind fast vollständig erhalten – dunkle Korridore, durch die einst Gladiatoren, Tiere und Kulissen in die Arena gelangten. Man steht hier an genau dem Ort, an dem sich Spannung, Angst und Erwartung bündelten, kurz bevor sich die Tore zur Arena öffneten.

Auch von außen beeindruckt das Bauwerk bis heute. Die bis zu 36 Meter hohe Fassade ist größtenteils noch dreigeschossig erhalten – eine Seltenheit, die es im römischen Reich sonst nur beim Kolosseum in Rom gibt. Von der obersten Ebene hast du die beste Position um das Theater in seiner Gesamtheit zu fotografieren oder einfach den Blick über die heutige Stadt El Djem schweifen zu lassen.

Anfahrt nach El Djem und weitere Tipps

Ausblick auf El Djem
Von den oberen Rängen hast du eine guten Ausblick auf El Djem.

Das Amphitheater von El Djem ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Tunesiens und lässt sich besonders gut von den Urlaubsorten Monastir oder Sousse erreichen. Die Fahrzeit beträgt rund eine Stunde. Wer keinen Mietwagen nutzt, kann auf geführte Touren zurückgreifen oder ein Taxi für einen individuellen Ausflug nehmen.

Neben dem Amphitheater lohnt sich auch ein kurzer Besuch im Archäologischen Museum von El Djem, das Mosaike und Fundstücke aus der römischen Zeit zeigt. Weitere Sehenswürdigkeiten gibt es in der Stadt kaum – für einen Halbtagesausflug ist El Djem dennoch absolut empfehlenswert.

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