Mahdia ist kein Ort, der laut um Aufmerksamkeit wirbt. Die Stadt liegt ruhig auf einer schmalen Halbinsel, umgeben vom Mittelmeer, geprägt von Geschichte, weiten Stränden und einem Alltag, der nicht auf Touristen ausgerichtet ist. Wer Mahdia besucht, erlebt Tunesien entschleunigt – ehrlich, ursprünglich und erstaunlich tiefgründig.
Mahdia liegt an der Sahelküste südlich von Monastir und Sousse – und wird trotzdem oft übersehen. Genau das ist bis heute ihr Glück. Mahdia war nie ein klassisches Massenziel, sondern ist eine Stadt, die sich ihren eigenen Rhythmus bewahrt hat. Die Altstadt ist kompakt, das Leben konzentriert sich auf Fischerei, kleine Geschäfte und Cafés.
Große Hotelanlagen liegen meist außerhalb, sodass das historische Zentrum authentisch geblieben ist. Wer durch Mahdia spaziert, begegnet vor allem Einheimischen – und genau das macht den Reiz aus.
Geschichte von Mahdia
Mahdia blickt auf eine außergewöhnlich reiche Geschichte zurück. Die Stadt wurde im Jahr 916 n. Chr. von den Fatimiden gegründet und war zeitweise sogar Hauptstadt eines Kalifats. Ihre Lage auf einer schmalen, gut zu verteidigenden Landzunge machte sie strategisch äußerst wertvoll.
Als Machtzentrum, Hafen und religiöses Zentrum spielte Mahdia eine bedeutende Rolle im Mittelmeerraum. Später verlor die Stadt an politischem Einfluss, blieb aber stets ein wichtiger Küstenort – zunächst militärisch, dann wirtschaftlich und heute vor allem kulturell.
Diese wechselvolle Geschichte spürt man bis heute: in den Mauern, Toren und Ruinen ebenso wie in der ruhigen Selbstverständlichkeit, mit der Mahdia ihre Vergangenheit trägt.
Von der Hauptstadt zur stillen Küstenstadt
Nach dem Niedergang der Fatimiden wurde Mahdia mehrfach erobert, umgebaut und befestigt. Arabische Dynastien, später auch osmanische Herrscher prägten das Stadtbild. Anders als in vielen anderen Städten blieb Mahdia jedoch vergleichsweise klein – und wurde nie vollständig modern überformt.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Mahdia langsam zu einem regionalen Zentrum für Fischerei und Handwerk. Der Tourismus kam spät – und blieb zurückhaltend. Genau deshalb ist Mahdia heute einer der wenigen Orte an der Sahelküste, der Geschichte, Alltag und Meer so selbstverständlich miteinander verbindet.
Die besten Sehenswürdigkeiten in Mahdia (+ Karte)
Mahdia lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden. All das was man sehen sollte, liegt auch in der Altstadt. Dort liegen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dicht beieinander und erzählen gemeinsam die Geschichte der Stadt. In der interaktiven Karte unten findest du alle genannten Orte übersichtlich eingezeichnet.
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Mehr InformationenSkifa Kahla: Das Tor zur Altstadt
Es gibt mehrere Möglichkeiten um in die Altstadt von Mahdia zu gelangen. Das monumentale Stadttor Skifa Kahla ist aber wohl der eindrucksvollste Zugang zur Medina. Das übersetzt „schwarze Tor“ wurde im 10. Jahrhundert errichtet. Es war Teil der massiven Stadtbefestigung und kontrollierte den Zugang zur Halbinsel.
Wenn man unter dem hohen Torbogen hindurchgeht, fühlt es sich an wie ein Übergang in eine andere Zeit. Die dicken Mauern, die kühle Atmosphäre und das gedämpfte Licht lassen sofort erahnen, wie es wohl im historischen Mahdia vor sich ging. Den Trubel der großen Neustadt lässt man schnell hinter sich und taucht in eine andere, erhofft arabische Welt ein.
Medina von Mahdia: Echt und unaufgeregt
Die Medina von Mahdia ist keine laute Souk-Landschaft, die lediglich für Touristen noch am Leben erhalten wird, sondern ein Ort des Alltags. Schmale Gassen, einfache Häuser, kleine Werkstätten und Cafés prägen das Bild. Auch wenn man natürlich auf immer mehr Touristen hier trifft, sind der Großteil der Menschen hier wirklich noch größenteils Einwohner von Mahdia.
Gerade diese Schlichtheit macht sie so angenehm. Man wird nicht ständig angesprochen, kann in Ruhe schauen, stehen bleiben, fotografieren. Klar, auch hier gibt es immer mehr Läden, die sich auf die „Bedürfnisse“ von Touristen in Form von Shirts, Magneten und weiteren Souvenirs eingestellt haben. Aber man kann auch immer wieder kleine Läden entdecken, die nicht primär den Fokus auf touristische Besuche legen. Sicher ist: Die Medina ist ein Ort zum Beobachten – nicht zum Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten.
„Borj el Kebir“-Festung
Wie viele Orte an der tunesichen Mittelmeerküste, hat auch Mahdia eine alte osmanische Festung. Der sogennante Ribat von Mahdia ist kleiner als jene in Monastir oder Sousse, aber historisch nicht weniger spannend. Er trägt den Namen „Borj el Kebir“ – schlicht „die große Burg“. Die Festung gehörte zum Verteidigungssystem der Stadt und schützte die Küste vor Angriffen vom Meer.
Borj el Kebir stammt aus dem späten 16. Jahrhundert und wurde auf den Überresten eines fatimidischen Palastes errichtet wurde. Der massive Bau mit seinem rechteckigen Grundriss, den Bastionen und dem inneren Hof zählt zu den schönsten Beispielen osmanischer Militärarchitektur. Besonders sehenswert sind das integrierte Oratorium aus älterer Zeit und die gewölbten Räume rund um den Hof. Von der Terrasse eröffnet sich ein weiter Blick über die Stadt, das Cap Mahdia und die Überreste des antiken Hafens.
Rund um die Festung liegt übrigens der Friedhof. Unzählige weiße Grabsteine, alle gen Osten bzw. nach Mekka ausgerichtet, sorgen für vielleicht den schönst-gelegensten Friedhof in der Region.
Große Fatimid Moschee
Die Große Moschee von Mahdia unterscheidet sich deutlich von späteren Moscheen Tunesiens. Sie ist nüchtern, klar und fast festungsartig gebaut – ohne Minarett, ohne üppige Dekoration. Diese Schlichtheit war bewusst gewählt und spiegelt die frühe islamische Architektur der Fatimiden wider. Die Moschee ist eines der wichtigsten Zeugnisse dieser Epoche und ein stiller Ort, der viel über religiöse und politische Macht erzählt.
Außerhalb der Gebetszeiten kann sie auch von Nicht-Muslime besichtigt werden.
Ausgrabungen des antiken Hafens
Mahdias Geschichte ist ohne das Meer nicht denkbar und von extremer Bedutung. Entlang der Küste finden sich noch heute Reste des antiken Hafens, der einst das wirtschaftliche Herz der Stadt bildete. Die Überreste sind nicht spektakulär inszeniert – aber gerade das macht ihren Reiz aus. Man steht direkt am Wasser, blickt auf Steine und Strukturen, die Jahrhunderte alt sind, und versteht plötzlich, warum dieser Ort einst so begehrt war.
Die Überreste sind zumindest so gut erhalten, dass man nur ein wenig Vorstellungskraft braucht, um sich in antike Zeiten zurückzudenken. Man kann einfach das Kap von Mahdia ablaufen und wird immer wieder was entdecken. So ist ein bisschen „Entdeckertum“ auch hier noch erhalten geblieben.
Vor der Küste von Mahdia wurde sogar 1907 ein antikes Schiff entdeckt: Das antike Handelsschiff sank vermutlich um 80 v. Chr. und transportierte kostbare Kunstwerke aus Bronze und Marmor, die für wohlhabende Auftraggeber bestimmt waren. Die spektakulären Funde lieferten wichtige Erkenntnisse über antike Handelswege und Kunsttransporte. Heute sind viele der geborgenen Objekte im Bardo-Museum in Tunis zu sehen.
Der moderne Leuchtturm von Mahdia
Der heutige Leuchtturm von Mahdia markiert die Spitze der Halbinsel. Von hier aus öffnet sich der Blick über das offene Mittelmeer – weit, ruhig und fast meditativ. Gerade am späten Nachmittag ist dies einer der schönsten Orte der Stadt. Die Sonne steht tief, das Licht wird weich, und Mahdia zeigt sich von seiner stillsten Seite. Auf der einen Seite zieht man Festung und Altstadt, auf der anderen das unendliche wirkende Mittelmeer.
Weitere Reisetipps für Mahdia
Mahdia ist kein Ort für schnelles Sightseeing. Zumindest nicht, wenn man den „Vibe“ des Ortes richtig erleben möchte. Plane Zeit ein, setz dich zwischendurch in ein Café, geh zum Strand oder beobachte das Leben im Hafen. Genau so entfaltet die Stadt ihre Wirkung. Abschließend kommen hier noch ein paar Tipps für deinen Besuch.
Anreise nach Mahdia
Mahdia ist gut per Bahn erreichbar – die Strecke entlang der Sahelküste zählt zu den schönsten in Tunesien und führt von Sousse über Monastir hierher. Alternativ erreicht man die Stadt mit dem Auto oder Taxi von Monastir oder Sousse aus in ungefähr 1 bis 1,5 Stunden.
Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Monastir, von dort dauert die Weiterreise etwa 1,5 Stunden. Alternativ kann man auch über die Flughäfen in Enfidha (1,5 Stunden) oder Tunis (3 Stunden) anreisen.
Tipp: Markttag in Mahdia
Wie in vielen Orten in Tunesien ist Freitag Markttag in Mahdia. Los geht es am frühen Morgen und Ende ist kurz vor dem Nachmittagsgebet. Es werden nicht nur Lebensmittel, sondern auch viele Second-Hand-Artikel angeboten, sei es Kleidung oder sogar Autoersatzteile. Während dieses Vormittags ist die Stadt ungewöhnlich voll und du solltest darauf achten, nur auf echten Parkplätzen zu parken. Die Polizei hat sich nämlich auch überall platziert und verteilt fleißig Strafzettel.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Mahdia eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge. In erreichbarer Nähe liegen unter anderem El Djem mit seinem beeindruckenden Amphitheater, Sousse mit seiner UNESCO-Medina oder kleinere Küstenorte abseits der bekannten Routen. Auch eine Weiterreise in die Großstadt Sfax ist mit 2 Stunden Autofahrt denkbar.

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