Boabeng-Fiema: Wo die Affen in Ghana heilig sind

Lowe-Meerkatze in Boabeng-Fiema / Ghana
Die Stars im Affenschutzreservat Boabeng-Fiema in Ghana sind die zutraulichen Lowe-Meerkatzen. Rund 250 Stück leben hier in ihrem geschützten Lebensraum.

Wer in Ghana Affen in freier Wildbahn erleben möchte, sollte einen Abstechter ins Schutzreservat Boabeng-Fiema unternehmen. Hier liegt ein Affenschutzgebiet, das als natürlicher Lebensraum für die Tiere noch weitgehend erhalten ist. Die Geoffroy-Stummelaffen und die Lowe-Meerkatzen werden von den Einheimischen sogar als heilige Lebewesen angesehen.

Das Boabeng-Fiema-Affenschutzreservat (teilweise auch Buabeng-Fiema) liegt in einem Übergangsgebiet zwischen dem tropischen Regenwald und der Savanne in Ghana. Es ist in der Region Brong-Ahafo beheimatet und etwa 30km von der Distrikt-Hauptstadt Techiman entfernt.

Das Wildtierreservat hat seine Bezeichnung von der gleichnamigen Dorfgemeinschaft. Früher waren Boabeng und Fiema noch zwei eigene Dörfer, bis man sich im Laufe der Geschichte zusammen tat. Direkt an diesen Ort angrenzend leben viele Affen im Wald, der sich auf ca. 80 Hektar erstreckt.

Die Affen in Boabeng-Fiema sind heilig

Anders als die meisten anderen Nationalparks und Reservate in Ghana, ist die Gründung des Affen-Schutzgebiets auf die traditionelle Religion zurückzuführen.

Für die Menschen in Buebeng-Fiema ist der Wald seit Ewigkeiten schon heiliger Boden. Genauso lange sind dort schon die Stummelaffen und Meerkatzen ansässig. Über die Affen wacht ein strenges religiöses Tabu und ein absolutes Jagdverbot.

Geoffroy-Stummelaffe in Boabeng-Fiema
In Boabeng-Fiema können die Geoffroy-Stummelaffen noch in Frieden leben. Ihre Art ist durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraums immer mehr bedroht.

Eine lokale Geschichte besagt, dass damals ein Jäger, der in Boabeng lebte, mit einem Gott mit Namen Daworo in Kontakt kam. Der Jäger ging eines Tages in den Wald und sah 5 Affen, die aus einem Topf aßen. Das verwirrte der Jäger sehr und er konnte sie nicht erschießen. Er fragte Daworo, was dies zu bedeuten hätte. Seine Antwort: Die Affen sind deine Freunde. Behandel sie wie die Menschen. So aßen beiden Spezien an diesem Tag zusammen.

Man sieht die Tiere daher als eine Art „Brüder“ an, denen man mit dem selben Respekt wie Menschen begegnen sollte. So leben hier Menschen und Affen nicht nur friedlich nebeneinander her, sondern man läßt die Tiere auch zu den Häusern der Menschen kommen und gibt ihnen Futter oder schenkt ihnen Aufmerksamkeit.

Das Zuhause von Stummelaffen und Meerkatzen

Das Reservat hat keine Zäune. Die Affen kommen und bleiben freiwillig. Daher sind Schätzungen darüber wie viele Tiere hier leben auch nur wage. Man geht von etwa 500-700 Exemplaren aus.

Am häufigsten und sesshaftesten sind dabei aber die Geoffroy-Stummelaffen und die Lowe-Meerkatzen. Von den Meerkatzen soll es hier alleine mehr als 250 Tiere geben. Weltweit zählen sie zu den seltenen Tieren, sind aber noch nicht vom Aussterben bedroht. Allerdings zweifelten in der Vergangenheit immer wieder Experten diese veralteten Zählungen an.

Die Meerkatzen sind recht neugierig und so ist es eine Leichtigkeit sie mit Bananen oder Nüssen anzulocken. Sie lieben es mit den Menschen zu agieren.

Affenschutzreservat Boabeng-Fiema Ghana Eingang
In Boabeng-Fiema kann man sehr gut in Kontakt mit den Affen kommen. Dabei ist aber Vorsicht geboten: Die Tiere könnten Hepatitis B übertragen.

Die Stummelaffen kommen auf ca. 150 Tiere im Wald. Im Gegensatz zu den Meerkatzen sind sie etwas scheuer dem Menschen gegenüber. Sie lieben es aber in den Bäumen zu entspannen oder durch die Baumwipfel zu springen. Auf diese Art lassen sie sich so aus nähester Entfernung beobachten, wobei die Tiere es vermeiden den Besuchern zu nahe zu kommen.

In der Vergangenheit wurden weitere Affenarten wie Diana-Affen oder Patas im Wald gesichtet. Allerdings sind sie weniger sesshaft oder daher keine dauerhaften Bewohner des Affen-Reservats.

Mensch und Affe: Auch im Tod vereint

Wenn man die enge Verbundenheit von Affen und Menschen in Boabeng-Fiema betrachtet, ist es auch nicht verwunderlich, dass beiden Spezien traditionell auch im Tod ähnlich gedacht wird.

Im Wald befindet sich daher ein Friedhof, auf dem verstorbene Tiere beerdigt werden. Teilweise wurden an ihren Gräbern sogar Schilder mit ihrem Geburts- und Todesdatum aufgestellt. Direkt daneben, auf dem selben Feld, finden sich auch die Gräber von Menschen. Diese Verstorbenen haben sich zu Lebzeiten für das Schutzgebiet und die Affen stark gemacht oder waren Pfarrer und religiöse Anführer der Dorfgemeinschaft gewesen.

Affenschutzreservat Boabeng-Fiema Ghana
Im Affenschutzreservat werden verstorbene Tiere wie Menschen behandelt und nach ihrem Tod begraben. Direkt neben dem „Affenfriedhof“ findet man auch Gräber von ihren menschlichen Pflegern.

Das Boabeng-Fiema Affenschutzreservat ist bis heute ein Ort geblieben, wo sich die Affen in Sicherheit fühlen können. Die Legenden und Traditionen reichen dafür aus. Offizielle Gesetze oder Regeln gibt es nach wie vor nicht.

Und sowas ist auch gar nicht nötig: Seit im 18. Jahrhundert jemand einen Affen getötet haben soll und er und seine Familie danach aus ungeklärten Ursachen starben, hält sich auch so jeder an die Vereinbarung.

Als Ausgleich gibt es jeden Freitag dafür einen arbeitsfreien Tag: Freitag ist hier der Tag der heiligen Affen von Boabeng-Fiema.

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