Sibiu in Rumänien: Die Stadt der 1000 Augen!

Sehenswürdigkeiten und Tipps

Sibiu in Rumänien
Man sagt die Stadt Sibiu in Rumänien haben 1000 Augen. Durch die vielen Fenster mit Vordach fühlt man sich hier immer beobachtet.

Eine Reise nach Sibiu in Rumänien fühlt sich nicht nur wie eine Reise ins Mittelalter an. Von den Dächern der Häuser scheinen einen tausende von Augen zu beobachten. Sie beschützen die Stadt, ihre Einwohner und Gäste – das sagen zumindest die Einheimischen.

Die Stadt Sibiu liegt zentral in Rumänien und grenzt an die Ausläufer der südlichen Karpaten. Reisende schätzen hier vorallem die gut erhaltene Altstadt. Mit ihren alten Häusern, Kirchen, Türmen und Plätzen fühlt man sich leicht ins Mittelalter zurückversetzt. Eine Besonderheit sind die markanten Fenster der meisten historischen Gebäude. Für viele Touristen gehört auf ihrer Transilvanien-Reise ein Besuch in dieser Stadt zu den Highlights dazu.

Die Augen von Sibiu

Durch ihr typisches, häufig abgerundetes Vordach und kleinen Scheiben, sehen sie aus wie Augen, die alles beobachten, was auf den Plätzen und in den Straßen passiert. Die Bewohner sagen, dass diese „Augen die Stadt bewachen. Dank ihnen wird Unheil von ihr abgehalten. Sowohl Einwohner als auch Gäste werden durch die wachsamen Augen der Häuser beschützt und gleichzeitig davon abgehalten etwas Schlechtes zu tun.

Augen von Sibiu
Immer alles im Blick: 2 der unzähligen „Auge“ von Sibiu bewachen und beschützen die Stadt vor Unheil.

Wenn man vorher nichts davon wußte, verpasst man als Besucher diese Besonderheut vielleicht. Wenn man aber einmal sich umschaut, wird man schnell feststellen, dass es die Augen von Sibiu in der Tat gibt. Fortan wird man sich bei seinem Städtetrip immer beobachtet fühlen.

Altstadt von Sibiu: Eine Zeitreise ins Mittelalter

Sibiu wurde von deutschen Siedlern, den Siebenbürgern Sachsen, bereits um das Jahr 1147 gegründet. Aus der Zeit stammt auch ihr – heute oft noch verwendeter – deutscher Name Hermannstadt. Im Laufe der Geschichte wurde die Stadt wie viele Orte im heutigen Transilvanien von den Mongolen und Türken heimgesucht und zerstört. Viele der heutigen Gebäude stammen aber zumindest aus dem 15. Jahrhundert und erlauben den Besuchern heute eine kleine Zeitreise ins Mittelalter.

Daher verwundert es kaum, dass der bei Touristen beliebteste Teil der Stadt im historischen Stadtzentrum liegt. Die Altstadt liegt auf einem kleinen Hügel, die früher mit einer massiven Mauer und Wehrtürmen vor den Feinden geschützt wurde. Ein Großteil dieser Befestigungsanlage ist noch heute zu sehen. Wer Interesse hat, kann sie sogar teilweise begehen und besichtigen.

Stadtmauer Sibiu
Am Rande der Altstadt von Sibiu: Die alten Wehrtürme der Stadt können heute besichtigt werden.

Die mal größeren, mal kleineren Gassen sind weitgehend vom Straßenverkehr befreit und stehen nur noch den Fußgänger zur Verfügung. In den oft schmalen Häusern haben die globalisierten Textil- und Gastronomieketten bislang (glücklicherweise) noch nicht Einzug gehalten. Hier findet man noch die kleinen Geschäfte und Boutiquen, das Wirtshaus oder Restaurant mit langer Tradition aber natürlich auch den ein oder anderen Souvenirladen.

Sibiu Altstadt
Blick auf Altstadt von Sibiu

Sibiu von ganz weit oben? Rauf auf den Kirchturm!

Die evangelische Stadtpfarrkirche am Huetplatz stellt Rekorde auf: Mit einem 73m hohen Turm ist nicht nur das höchste Gebäude in Sibiu sondern sogar das größte in ganz Transilvanien. In ganz Rumänien belegt sie sogar den stolzen 3. Platz. Sie liegt auf dem Huetplatz und ist nicht nur von außen sehenswert. Im Erinnern befindet sich unter anderem die größte Orgel in ganz Siebenbürgen. Die erste Orgel soll bereits 1350 hier existiert haben. Leider gibt es heute davon keine Überreste mehr.

Evangelische Stadtpfarrkirche (Katedrala evanghelica)
Evangelische Stadtpfarrkirche (Katedrala evanghelica)

Wer die Anstregung auf sich nimmt, kann vom Turm den perfekten Blick über die gesamte Altstadt wie auch die angrenzende Neustadt erhaschen. Dafür müssen aber rund 150 Stufen aus eigener Kraft überwunden werden. Die Mühe lohnt sich aber allemal!

Wie kam die Lügenbrücke zu ihrem Namen?

Lügenbrücke in Sibiu
Lügenbrücke in Sibiu (Podul Mincinosiilor)

Unweit der Kirche verbindet die Lügenbrücke Teile des „kleinen Rings“, indem sie eine Autounterführung überwindet. Die erste gußeiserne Brücke des Landes ist besonders zur Weihnachtszeit festlich und leuchtend geschmückt.

Um diese Brücke ranken sich gleich mehrere Legenden, die ihren auffallenden Namen begründen sollen. Eine Legende besagt, dass man auf ihr nur die Wahrheit sagen darf. Wer auch immer hier lügt, wird die Brücke zum Einsturz bringen. Da sie immer noch steht, scheint dies wohl nie der Fall gewesen sein ;-).

Beleuchtete Lügenbrücke in Sibiu zu Weihnachten
Besonders in der Weihnachtszeit ist die Lügenbrücke am Abend ein Hingucker.

Eine andere Geschichte besagt, dass hier früher die Männer pflegten sich das erste Mal mit ihrem Schwarm zu treffen. Jungs machten hier den Mädchen die schönsten Versprechen, wohlwissend, dass sie sie niemals halten können.

Wahrscheinlich gibt es noch viele weitere Erklärungen, wie die Brücke zu ihrem Namen kam. Denkbar ist z.B. auch, dass in dunkeln Zeiten hier Lügner gehängt wurden. Eines Sache ist aber sicher: Auch heute treffen sich hier noch Liebespaare und nach der Hochzeit werden hier die Fotos für die Ewigkeit bevorzugt geschossen.

Das Leben in Sibiu spielt sich auf den Plätzen ab

Wie in so vielen rumänischen Städten findet das gesellschaftliche Leben größenteils auf den kleinen und großen Plätzen statt. Der beliebteste Platz ist der Piata Mare (Großer Platz).

Weihnachtsmarkt Piata Mare Sibiu
Weihnachtsmarkt auf dem Großen Platz (Piata Mare) in Sibiu. Im Hintergrund kann man den markanten Turm des alten Rathauses sehen.

Am größten Platz der Stadt stehen direkt mehrere der bedeutendsten Gebäude in ganz Sibiu. Zum einen ist dies das alte Rathaus, in welchem früher die Stadtverwaltung ihren Sitz hatte. Außer der prachtvollen Fassade ist auch der hübsch gestaltete Innenhof sehenswert. Im Inneren des Gebäudes befindet sich heute ein historisches Museum. Vom Rathaus-Turm aus hat man einen guten Blick auf das regen Treiben auf dem Piata Mare.

Nur wenige Meter entfernt findet man das Brukenthal-Palais. Es ist einer von mehreren Sitzen des Brukenthal-Museums. Ein Hauptteil des Komplex beherbergt eine der bedeutendsten Kunstsammlung in Europa und ist die größte ihrer Art nach dem Louvre in Paris.

Fassade Brukenthal-Palais
Fassade des Brukenthal-Palais mit weihnachtlicher Beleuchtung

Auf dem großen Platz findet man eine große Vielfalt an Restaurants mit rumänischer und internationaler Küche, Cafés, Geschäfte und Banken. Hier finden die Großveranstaltungen der Stadt statt. Im Dezember gibt es einen großen Weihnachtsmarkt mit abendlichen Bühnenprogramm, Eislaufbahn und jeder Menge Glühweinständen.

Weihnachten in Sibiu
Besonders im Dezember ist der Große Platz abends ein Hingucker: Die historischen Gebäude werden weihnachtlich angestrahlt.

Am kleinen Platz stehen Häuser zum Verlieben

Folgt man den Weg unter dem Rathausturm entlang, gelangt man zum Piata Mica (Kleiner Platz). Leider wird ein Großteil dieses schönen Platzes zeitweise als Parkplatz genutzt. Die vielen kleinen und abwechslungsreichen Gebäuden, die den Platz säumen, machen das ganze aber wieder wett. Mit ihrem farbenfrohen und detailreichen Fassaden, stellen sie ein beliebtes Fotomotiv dar.

Piata Mica
Am Kleinen Platz stehen hübsche Häuser, in die man sich glatt verlieben könnte.

Hier findet man auch die älteste Apotheke in Rumänien, die im Jahre 1494 entstanden sein soll. Heute befindet sich in dem historischen Gebäude ein Apothekenmuseum, das in 3, einer Apotheke nachempfundenen Räumen, eine Sammlung von über 6.000 Exponate vereint. Erwähnenswert ist vorallem die homöopathische Sammlung, die von Samuel Hahnemann aus dem 18. Jahrhundert stammt. Weltweit ist sie die älteste ihrer Art.

Apothekenmuseum Sibiu
Im Apothekenmuseum in Sibiu findet man über 6.000 Exponate, die die Entwicklung der Medikamente und pharmazeutischen Techniken im Laufe der Jahrhunderte darstellen.

Shoppen auf der Strada Nicolae Balcescu

Die breite Fußgängerzone auf der Strada Nicolae Balcescu ist etwas für die Shopping-Fans. Hier gibt es alles, was man so benötigt. Wer Hunger hat schnappt sich hier einen der berühmten Vanille-Brezel aus der heimischen Bäckerei oder kauft sich einen Burger bei McDonalds.

Strada Nicolae Balscescu
Die Strada Nicolae Balscescu ist eine typische Einkaufsstraße. Hier findet man neben lokalen Läden auch Geschäfter internationaler Marken.

Die breite Straße führt den Besuchern aus dem Altstadtkern in die Neustadt. Ihr Namensgeber war ein rumänischer Historiker und Schriftsteller sowie einer der Anführer der rumänischen Revolution von 1848 in der Walachei. Während der kommunistischen Zeit wurde er in Rumänien stark verehrt. Seinen Namen tragen heute daher noch viele Straßen und Plätze in ganz Rumänien.

Lohnt sich eine Reise nach Sibiu?

Auf diese Frage kann man ein klares JA geben! Für einen Wochenend-Trip hat die Kleinstadt mit rund 150.000 Einwohnern genau die richtige Größe, damit man sie an 1 – 2 Tagen vollständig erkunden kann.

Durch ihre gute Lage kann man von hier weiter Richtung Transilvanien reisen und Städte wie Brasov oder historische Schlösser wie Schloß Bran besuchen. Auch die Reise in den Westen Rumäniens ist mit Bahn oder Mietwagen einfach möglich. Hier erwartet einen z.B. die wunderschöne Stadt Timisoara.

Warst du schon mal in Sibiu? Was muß man hier noch unbedingt sehen? Verrate es mir in den Kommentaren!

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